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Chronik der Volkskunde
ÖZV LIII/ 102
,, Nuẞknacker- Aristoteles, Tschaikowskij, Solingen"Ausstellung im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee,16. Oktober 1999 bis 9. Jänner 2000
Das Schloßmuseum Malbork( Polen) präsentiert vom 16. Oktober 1999 bis9. Jänner 2000 im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee eine Samm-lung von über 150 Nußknackern, die bereits in mehreren polnischen Städtensowie in Straßburg gezeigt wurde. Die Nußknacker stammen zum Teil ausdem Schloßmuseum selbst, zum Teil aus anderen polnischen Museen undvon privaten Sammlern. Die Ausstellung in Kittsee wird ergänzt durchausgesuchte Stücke aus dem Österreichischen Museum für Volkskunde. Darun-ter befindet sich auch der älteste figürliche Nußknacker mit Körperhebel inForm eines Bettelmönches, datiert 15911. Eine Nuẞknackerfamilie in Men-schengröße, die vom Land Niederösterreich für die Schallaburg angekauftwurde, sowie„ ,, Nutty the Cracker"-1993 von Stefano Giovannoni für denitalienischen Haushaltsgerätekonzern Alessi designed²- schließen den Reigen.
Nüsse
Die Nuẞ ist eine Frucht, die in den europäischen Kulturen seit der Zeit desPaläolithikums bekannt und heute auf allen Kontinenten zu finden ist. Damitzählen Nüsse zu den ältesten Nahrungsmitteln, da sie leicht zu sammeln undaufzubewahren sind. Sie schmecken gut, nähren, heilen und sollen magischeKräfte haben. In der Antike wurde die Nußschale mit dem menschlichenSchädel und der Kern mit dem Gehirn verglichen, die Frucht galt alsFruchtbarkeits- und Christussymbol. Nüsse erlangten dadurch große Be-liebtheit beim Weihnachtsfest und waren in Polen besonders eng mit demAbendessen am Heiligen Abend verbunden. Um die Nußschalen knackenund den süßen Kern genießen zu können, wurden- nach dem einfachenGebrauch der Zähne- Geräte zum Öffnen der Schalen entwickelt.4
Geschichte der Nuẞknacker
Die einfachste Methoden, das Aufbeißen der Nüsse bzw. das Aufschlagenmit zwei Steinen oder einem hammerähnlichen Gegenstand, wurden baldvom Gebrauch komplizierterer Werkzeuge abgelöst. Aristoteles zeichneteim 4. Jahrhundert v. Chr. ein genaues Schema eines Hebelnuẞknackers undnannte ihn ,, nucifragibulum“: wenn die Kraft von der einen Seite wirkte,wurde die Nuß von der anderen Seite zerdrückt. In den mittelalterlichen