1999, Heft 4
Chronik der Volkskunde
543
,, Cannabis- Kultur"
Notizen zu einer Ausstellung des Vereins ,, Objekt: Kultur"vom 2.9. bis 23.9.1999 in Wien
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Klein, aber fein – mit diesem Motto ist die ,, Cannabis- Kultur“-Ausstellungder drei Kulturwissenschaftlerinnen Barbara Krainer, Katharina Richter- Ko-varik und Gudrun Schöllhammer am besten charakterisiert. Auf kleinemRaum gelang die Gratwanderung zwischen sachlicher Dokumentation undöffentlicher Darstellung einer Untergrundkultur und der gleichzeitigen An-onymisierung von LeihgeberInnen zu deren eigenem Schutz. Dieser Balan-ceakt war notwendig, da der Erwerb, Besitz und die Weitergabe THC( Tetra-Hydro- Carbinol)-hältiger Pflanzen für den berauschenden Konsum in Öster-reich strafrechtlich verfolgt wird. Nicht Suchtprävention als solche warAnliegen der Ausstellungsgestalterinnen, sondern das kulturwissenschaftli-che Aufarbeiten des Umgangs mit Cannabis. Ein Ansatz, der nicht unproble-matisch ist, was sich daran zeigte, daß staatliche Sponsoren versuchten,bereits zugesagte Unterstützungsgelder zurückzufordern.
Die Ausstellung konzentrierte sich einerseits auf die Alltagspraxen desEigenanbaus und Konsums, andererseits wurde auch auf die symbolischeEbene hingewiesen am Beispiel des Hanfblattlogos. Beim Abschnitt Ei-genanbau fiel der technische Aufwand auf, welcher betrieben wird, umCannabis zu ziehen. Anschaulich gemacht wurde dieser Umstand mittelseiner Inszenierung, in der eine 400 Watt Beleuchtungslampe, Dünger, Luft-befeuchter und Musikberieselung einer- hier allerdings: nicht gezeigten-Pflanze zu optimalem Wachstum verhelfen sollte. Diese Leerstelle irritierte,weckte die Neugierde, machte jedoch gleichzeitig Sinn, steht sie doch fürdie Tabuisierung des Phänomens wie des Problems.( An anderer Stelle inder Ausstellung präsentierten die Wissenschaftlerinnen eine kunstseideneImitation der Pflanze und versuchten so, staatlichen Auflagen entgegenzu-kommen.)
Im Themenbereich Konsum wurde die Vielfalt der Rauchgeräte vorge-stellt: Das Chillum etwa stellt die indische Variante der Pfeife dar, welcheim Gegensatz zu dieser nicht gewinkelt ist und beim Rauchen aufrechtgehalten wird. Chillum, Wasserpfeifen und Abbildungen von Pfeifen ausdem 18. und 19. Jahrhundert spiegeln in ihrer Einzigartigkeit und Liebe zumDetail die Individualität ihrer BesitzerInnen wider.
Abgeschlossen wurde die Ausstellung mit dem Hanfblatt als Logo, wel-ches im Mittelpunkt steht im Tauziehen zwischen Öko- Bewegung undLegalisierungsbestreben. Mitte der 60er Jahre diente es in den USA alsErkennungszeichen bei Demonstrationen, die für Legalisierung von Canna-