1999, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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Standes-, Temperaments- oder moralischen Verhaltenstypen" bezeugt die,, Transformation von literarisch geläufigen allgemeinen Verhaltenstypologienin Nationaltypologien“( S. 12). Hier wäre aus volkskundlicher Sicht anzumer-ken, dass Völkerstereotypik zumindest im Maskenwesen nachweisbar ist, wo-bei zu hinterfragen wäre, ob schriftliche und bildliche Quellen hierzu erst einenAnstoss gaben. Volkserzählungen, insbesondere Witze, stellen eine weiterepopuläre Quelle dar, die bisweilen auch mit Nationenvergleichen arbeiten.
Als weitere Quellen zur Völkertypologie nebst ethnographischen Be-schreibungen( wo das Abschreiben besonderer Kuriositäten von einem Au-tor zum nächsten besonders hervorsticht) werden Klimatheorien behandelt( Waldemar Zacharasiewicz). Schliesslich untersucht Ulrich Schulz-Buschhaus Parallelen zwischen Völkerallegorie- gesättigten Romanen undVölkertafeln. In keinem der Einführungsartikel wird auf direkte oder wört-liche Ableitung aus ganz bestimmten Quellen insistiert. Vielmehr geht esdarum darzustellen, wie reich an Menschen- und Völkertypologien verschie-dene Genera von Literatur waren, und wie dadurch die Migration von Auto-und Heterostereotypen durch Jahrhunderte belegt werden kann.
Der zweite Teil des Bandes liefert je eine Fallstudie für jeden der Völker-typen, in der Reihenfolge von links nach rechts in welcher er auf dersteirischen Völkertafel erscheint( Hans Hinterhäuser zum Spanier, EdwardReichel zum Franzosen, Wolfgang Brückner zum Welschen, Franz Stanzelzum Deutschen, Waldemar Zacharasiewicz zum Engländer, Otto Gschwant-ler zum Schweden, Hubert Orlowski zum Polen, Peter Ötvös zum Ungarn,Wolfgang Eismann zum Moskowit und Zoran Konstantinovic zum, Tirkoder Griech). Die von allen Autoren geleistete Quellenarbeit und die jeweilsunterschiedlich gelagerten Blickwinkel auf die Materie bereichern die For-schung zu diesem breiten, interdisziplinären und für die volkskundlicheForschung wesentlichen Thema.
Regina Bendix
FISCHER, Norbert: Vom Gottesacker zum Krematorium. Eine Sozialge-schichte der Friedhöfe in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert. Kulturstu-dien. Bibliothek der Kulturgeschichte. Hg. von Hubert Ch. Ehalt und HelmutKonrad. Sonderband 17. Köln- Weimar- Wien, Böhlau Verlag, 1996, 256Seiten, zahreiche S/ W- Fotos.
Seit den 80er und 90er Jahren häufen sich in den Sozial- und Kulturwissen-schaften Arbeiten, die den Umgang mit dem Tod und Toten, die Trauerkultur,die Todesvorstellungen, Bestattungsrituale usw. thematisieren. Der Diskurs,