Jahrgang 
102 (1999) / N.S. 53
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LIII/ 102

wartsbezogene( größere historische Tiefe fehlt, war aber auch nicht beab-sichtigt) und aufgrund der Originalzitate äußerst lebendige Publikationhandelt, die, wie die Ausstellung auch, vor allem Männer nachdenklichstimmen, PolitikerInnen zum( möglichst raschen) Handeln anregen undFrauen Mut zusprechen sowie Ansporn zu vermehrter weiblicher Aktivitätsein sollte.

Elisabeth Bockhorn

METZ- BECKER, Marita( Hg.): Hebammenkunst gestern und heute. ZurKultur des Gebärens durch drei Jahrhunderte. Marburg, Jonas Verlag, 1999,112 Seiten, zahlr. S/ W- Abb.

Der vorliegende Sammelband zur Kulturgeschichte des Gebärens entstandim Rahmen einer Lehrveranstaltung am Institut für Europäische Ethnologieund Kulturforschung der Philipps- Universität Marburg. Er ist zugleich Be-gleitbuch zu einer im Marburger Landgrafenschloß im Februar und März1999 gezeigten Ausstellung zum Thema. Auffallend ist die rein weiblicheAutorenschaft: für männliche Studierende schien das ,, Frauenthema" Gebä-ren nicht von Interesse zu sein.

Die elf Beiträge beschäftigen sich mit der hebammenbezogenen Geburts-hilfe in Deutschland und Europa. Ein wichtiges Thema der Publikation istder ,, Geschlechterkonflikt" in der Geschichte der Geburtshilfe, die bis zurMitte des 18. Jahrhunderts als Weiberkunst Glossar ::: zum Glossareintrag  Weiberkunst galt. Mit dem Medikalisie-rungsprozeß, der mit der Aufklärung einsetzte, erfolgte eine Verwissen-schaftlichung der Geburtshilfe und eine Eingliederung in die Medizin. Diesewar lange Zeit ein ausschließlich männliches Betätigungsfeld. Die Konkur-renz zwischen männlichen Ärzten und weiblichen Hebammen entschied sichzugunsten der Ärzte. Hebammen wurden in ihrer Tätigkeit reglementiert undbeschränkt, ihr Erfahrungswissen galt gegenüber der akademischen Ausbil-dung der Ärzte zunehmend als wertlos oder zumindest als zweitrangig.Bestandteil dieser Entwicklung ist auch die Verlagerung der Geburt vomWohnhaus in eine Klinik. Die Vermännlichung der Geburtshilfe brachtenicht zuletzt auch einen anderen Blick auf die gebärende Frau mit sich. DieÄrzte waren an der Codierung der Geschlechter ganz maßgeblich beteiligt,ihr Blick auf den weiblichen Körper trug zur Formulierung eines weiblichenGeschlechtscharakters bei.

Weitere Aufsätze des Bandes befassen sich mit der Gebärhaltung, mit demKindbettfieber und mit den bei der Geburt eingesetzten Hilfsinstrumenten.Interviews mit Hebammen und Portraits herausragender historischer Heb-