1999, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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ammen runden die auf Archivalien und Literatur beruhenden Beiträge zurGeschichte der Geburtshilfe ab. Die Hebamme wird damit sowohl imFremd- als auch im Selbstbild sichtbar. Ein eigenes Kapitel ist dem Geburts-haus als Alternative zur Klinik gewidmet. Abschließend werden unterschied-liche Geburtssysteme und Geburtserfahrungen in Europa thematisiert.
Schade ist, daß die Publikation keinen Beitrag über die volkskundlicheBeschäftigung mit der Geburtshilfe enthält. Ohne weitere Hinweise wird imVorwort lediglich vermerkt, daß sich- mit jeweils spezifischen Fragestel-lungen neben Medizingeschichte, Gesundheitswissenschaften, Soziologie, Frauen- und Geschlechterforschung auch die Europäische Ethnologieauf diesem Themenfeld betätigt hat.
Susanne Breuss
PAPATHANASSIOU, Maria: Zwischen Arbeit, Spiel und Schule. Dieökonomische Funktion der Kinder ärmerer Schichten in Österreich 1880–1939. Wien/ München, Verlag für Geschichte und Politik, R. Oldenbourg Verlag,1999. 333 Seiten(= Sozial- und wirtschaftshistorische Studien, Bd. 24).
Der vorliegende Band basiert auf der von der Autorin verfaßten Dissertation,die am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte unter der Betreuungvon Michael Mitterauer 1996 vorgelegt wurde. Und es ist ein schlüssigaufgebauter und gut lesbarer Band geworden. Methodisch wurde von derAutorin, und das unterscheidet die vorliegende Arbeit von vielen anderenüber Kinderarbeit, in erster Linie auf lebensgeschichtliche Quellen zurück-gegriffen, wobei die WISO- Dokumentation die wichtigste Basis darstellte.Über die Verknüpfung derartiger biographischer Quellen mit zeitgenössi-schen Untersuchungen und kleinregionalen sozioökonomischen Rahmenbe-dingungen entsteht ein vielschichtiges und komplexes Bild einer Familien-ökonomie, die Kinder als fixen und unhinterfragten Bestandteil des Er-werbslebens betrachtete. Das Alltagsleben des Kindes ist das Zentrum derBetrachtungen, um das sich die Ausführungen in weiterführende Mikroebe-nen entfalten. Aus der Sicht der Kinder werden Entscheidungsprozesse,Arbeitsverhältnisse, Einstellungen, aber auch moralische und ökonomischeFaktoren für deren Teilnahme im Erwerbsleben analysiert.
Das zentrale Thema ,, Arbeit“ wird von der Autorin sehr weit gefaßt unddefiniert. Schließlich weist ja bereits der Titel des Buches auf das Span-nungsfeld zwischen Arbeit, Spiel und Schule hin und wie die Ausführungenzeigen, sind viele der Aktivitäten der Kinder im Rahmen der Familienwirt-schaft nicht so eindeutig zuordenbar. Dieses Aufbrechen von starren Gren-