Jahrgang 
102 (1999) / N.S. 53
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LIII/ 102

zen, die Zwischentöne, die fließenden Grenzen machen den Reiz der vorlie-genden Arbeit aus und unterscheiden sie von vielen bislang vorgelegtenUntersuchungen zum Thema ,, Kinderarbeit. Natürlich gibt es den großenBlock der Kinderarbeit in der Industrie und im Gewerbe und hier vor allemin der Ziegel- oder Textilproduktion; schließlich haben gerade in diesemBereich die ersten Sozialstatistiken auf das Elend der hier beschäftigtenKinder hingewiesen. Und auch die Quellenlage trug das ihre dazu bei, daßin jüngeren Darstellungen von Kinderarbeit dieser Bereich dominant er-scheint. Doch ist nachzulesen, daß im gewählten Untersuchungszeitraumzwischen 1880 und 1939 im industriellen und gewerblichen Bereich derBeschäftigung von Kindern statistisch gesehen nur relativ geringe Bedeu-tung zukam. Weit an der Spitze stand die Kinderarbeit in der Landwirtschaft.Fast zwei Drittel der arbeitenden Schulkinder waren laut einer Untersuchungaus dem Jahr 1908 in landwirtschaftlichen Betrieben tätig. Bei der Interpretationder vorliegenden Zahlen mit Hilfe des oben genannten lebensgeschichtlichenAnsatzes ergeben sich vielfältige und teils überraschende Ergebnisse. Vomgroßstädtischen Schrebergarten bis hin zum Viehweiden und ,, in den Dienstgehen spannte sich der Bogen der Beschäftigungsmöglichkeiten von Kindern.Zumal der Bereich der Reproduktionsarbeiten, etwa im Haushalt, stellte einwichtiges Feld für die Beschäftigung von Kindern dar. Schließlich geht dieAutorin auch auf die ,, Sammelwirtschaft" und die ,, moralische Ökonomie ein,die einerseits die ,, milden Gaben und Bittgänge umfaßten, etwa im Bereichdes Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums, andererseits auch die professionelle Bettelei bis hin zur Kri-minalität. Die Schule, das Elternhaus und das Kinderspiel runden den Band ab,der alles in allem als ein gelungener Versuch zu werten ist, das Thema ,, Kinder-arbeit lebensgeschichtlich aufzuarbeiten und dem subjektbezogenen Zugangzur Geschichte den gebührenden Stellenwert zu verleihen.

Wolfgang Slapansky

HÖRZ, Peter: Gegen den Strom. Naturwahrnehmung und Naturbewälti-gung im Zivilisationsprozeß am Beispiel des Wiener Donauraumes.(=Historisch- Anthropologische Studien, Band 2) Frankfurt am Main- Berlin-Bern- New York- Paris- Wien, Peter Lang Verlag, 1997, 188 Seiten.

Unser Verhältnis zur Natur ist von zwei Polen geprägt: Zum einen ist sieObjekt zivilisatorischer Kolonisierungsprozesse, zum anderen Projektions-fläche romantischer und idyllisierender Sehnsuchtsvorstellungen. Am Bei-spiel des Wiener Donauraums zeigt Peter Hörz, wie sich im Laufe desZivilisationsprozesses das Verhältnis der Menschen zu ihrem Naturraum