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Literatur der Volkskunde
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viel mehr in der Art und Weise, wie sie Zusammenhänge herstellt und damitneue Sichtweisen auf scheinbar banale Alltagsangelegenheiten und schein-bar Altbekanntes eröffnet. Es ist ihr auf eine ganz eigene Weise gelungen,zum Nachdenken über alltägliche Selbstverständlichkeiten anzuregen. Ab-gesehen von dem Lesevergnügen, das die Autorin mit ihrem kulturhistorischfundierten Abendessen bereitet, trägt sie zu einer nachhaltigen Schärfungdes Blickes auf die Eß- und Kochgewohnheiten bei. Und dies ist allemal einerster und wichtiger Schritt für eine kulturwissenschaftliche Erforschungdes Ernährungsalltags.
Susanne Breuss
BACHMANN- GEISER, Brigitte: Das Alphorn. Vom Lock- zum Rockin-strument. Bern, Verlag Paul Haupt, 1999, 224 Seiten.
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, Weder in Souvenirgeschäften schweizerischer Ausflugsziele noch an Kar-tenständern städtischer Bahnhofskioske fehlen Ansichtskarten, die einenAlphornbläser in Sennentracht vor der Kulisse verschneiter Gebirge darstel-len. Der Alphornbläser, der sein Instrument auf festen Grund und Bodenabstützt und das zweimannlange Rohr zugleich an den Mund hält, wirkt wieein Denkmal schweizerischer Art und Kunst."( S. 9)
Diesem Denkmal, besser gesagt seinem Instrument, widmet die bekannteSchweizer Instrumentenkundlerin Brigitte Bachmann- Geiser, die sich mitwichtigen Publikationen, wie etwa ,, Die Volksmusikinstrumente derSchweiz. Handbuch der europäischen Volksmusikinstrumente, Serie I, Bd.4, Leipzig/ Zürich 1981", einen Namen gemacht hat, ihr neuestes Buch. Wieaus dem Eingangszitat hervorgeht, ist das Alphorn längst zu einem schwei-zerischen Nationalsymbol geworden. Seine Geschichte, seine akustischenBesonderheiten, sein Funktionswandel, aber auch seine Bauweise und Ver-breitung werden in dieser Monographie anschaulich dargestellt.
Kapitel eins behandelt Sagen zur Entstehungsgeschichte, Belege zu denAnfängen des Alphorns sowie dessen ursprüngliche Verwendung als ,, milch-wirtschaftliches Werkzeug der Sennen und Alphirten“( S. 34). Von derältesten Beschreibung des Instruments um die Mitte des 16. Jahrhundertsspannt die Autorin einen Bogen über den Funktionswandel im frühen 19.Jahrhundert, in dem die Sennen und Küher aufgrund der aufkommendenTalkäsereien um ihre Arbeit gebracht wurden und das Alphorn somit zurRarität mutierte, bis hin zu den gezielten Unterrichtsbestrebungen des Alp-hornblasens zu Ende unseres Jahrhunderts. Weitere Themen in diesemAbschnitt sind die Verwendung des Alphorns als Heischeinstrument und in