Jahrgang 
102 (1999) / N.S. 53
Seite
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1999, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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di Ozieri"( eines im Zentrum Sardiniens gelegenen Dorfes) mit danteskenEinteilungen im Bereich der ,, beati" in Zusammenhang. ,, Isole, isolanità,isolamento" betrachtet tiefschürfend Auswirkungen von Insellage und Iso-lierung. Ebenso mündet das Kapitel ,, Il pane cibo e il pane segno"( Das Brotals Speise und das Brot als Zeichen) in weiterführende Überlegungen hin-sichtlich der Doppeldeutigkeit von Materie und Phänomen.

Kritisch nimmt Cirese dann Stellung entlang eines Fragebogens zurGegenwart. Seine Bemerkungen und Anmerkungen sind zweifellos für diepraktische Volksforschung nützlich und aufschlußreich. Difficile satyramnon scribere- möchte man dazu sagen. Hier kommen Cireses persönlicheErfahrungen sowohl in der Feldforschung als auch im Vergleich zu Erhebun-gen anderer Kollegen zum Ausdruck.

Fast hundert Seiten nimmt dann die Bibliographie ein, die aufzeigt,welche gewaltige Arbeitsleistung Cirese vollbracht hat.

Felix Karlinger

LECOUTEUX, Claude: Chasses Fantastiques et Cohortes de la Nuit( AuMoyen Age). Paris, Éditions IMAGO, 1999, 242 Seiten, 37 Abbildungen.

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Das Thema von der, Wilden Jagd" zeigt vielschichtige Vorstellungenvom Herübergreifen des Jenseits ins Diesseits. Der Verfasser des vorliegen-den Buches ist mehrfach als kompetent für diesen Fragenkomplex ausge-wiesen, vor allem was das Mittelalter betrifft.

Unter die nächtlichen Scharen reiht er nicht nur die schreckerregendenDämonen und Gespenster ein, sondern rückt auch die ,, Bonnes Dames" insBlickfeld, die meist einen zwiespältigen Aspekt aufweisen., ParallèlesMythologiques: les Fées et les Morts ist ein Unterkapitel überschrieben,das uns an die Beziehung von Feen und Verstorbenen erinnert, die in einersolchen Funktion auftreten können.

Dämonen oder Wiedergänger? lautet ein anderer Abschnitt, der zu Frageneines wandernden Purgatoriums und zu Geistermessen überleitet. DasSchwanken zwischen diabolischen Auftritten und christianisierten Totenri-ten wird deutlich gemacht. Der Gegensatz zwischen heterogenen Funktionenwird dabei klar. Eine eigene Kapitel- Gruppe bildet ,, Les Chasseurs Surna-turels". Man muß daran erinnern, daß die Wilde Jagd und ihre Gestalten zwarin Mittel- und Nordeuropa besonders die Vorstellungen beherrscht hat, daßjedoch das Motiv noch heute auch in Spanien bekannt ist, wo etwa einSakrileg am Fronleichnamsfest dazu führt, daß der Betreffende zum WildenJäger wird. Die erzwungene Teilnahme an der Wilden Jagd wird so zu einer