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Literatur der Volkskunde
ÖZV LIII/ 102
Strafe und Verbannung. So findet sich der Komplex auch ausdrücklich beiLecouteux im Kapitel ,, Le Péché puni“.
Der Autor geht einer Reihe von Phänomenen nach, die uns bei diesemThema begegnen, und er versucht auch einleuchtende Deutungen. Schadeist lediglich, daß er sich auf das Mittelalter konzentriert hat und Belege ausunserer Zeit ausschließt. Doch ergibt gerade diese Akzentuierung ein sehrdichtes Bild der Vorstellungswelt hinsichtlich der unheimlichen Erscheinun-gen nächtlicher Scharen und der davon ausgehenden Faszination.
Für die Benützung des Buches und seiner breit gestreuten und manchmalwidersprüchlichen Einzelfakten sind die beiden Indizes sehr hilfreich. Eineumfangreiche Bibliographie rundet das Werk ab. Die Abbildungen sind wohlwertvoll und bringen auch weniger bekanntes Bildmaterial, bleiben jedochdrucktechnisch hinter dem sonstigen Niveau des Buches zurück.
Felix Karlinger
LACARRA, Maria Jesús: Cuento y Novela Corta en España. 1. EdadMedia. Barcelona, Críica, 1999, 478 Seiten.
Ein Volkskundler ist gut beraten, wenn er das umfangreiche Werk zunächstvon hinten nach vorne durchblättert, denn er findet auf den Seiten 431 und 433zwei wichtige Indizes, nämlich den ,, Index Exemplorum" gemäß Tubach( 1969) und den Index nach Aarne- Thompson für die Volkserzähl- Typen. Ausbeiden Indizes kann man die Reichhaltigkeit des hier vorgelegten Materialsentnehmen, das sehr weitgreifend berücksichtigt, was an Volkserzählungenschon früh in Spanien als Vermittler zwischen Orient Glossar ::: zum Glossareintrag Orient und Okzident Glossar ::: zum Glossareintrag Okzident aufgetauchtist. Die Autorin Lacarra ist als eine der besten Kennerinnen der frühen spani-schen Literatur ausgewiesen und sie darf ebenso für folkloristische Fragen alskompetent gelten. Das macht diese Buchausgabe besonders wertvoll.
Sie beginnt ihr Werk mit einer Gruppe von Untersuchungen und Texten,die ,, La Cuentística de Origen Oriental Glossar ::: zum Glossareintrag Oriental" überschrieben ist. Hier finden wirden Niederschlag von Stoffen wie„, Calila e Dimna" oder ,, Barlaam eJosafat", welche über Spanien sich dann auch im gesamten Europa verbreitethaben. Dazu bringt Lacarra nicht nur klug gewählte Textausschnitte- mitreichhaltigem sprachlichen Kommentar zu den sprachlich mitunter kompli-zierten frühspanischen Formulierungen sondern ebenso weiterführendeInterpretationen und Verweise zum Fortwirken dieser Komplexe, die uns ausanderen Quellen zumeist vertraut sind.
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Der zweite Abschnitt konzentriert sich auf solche Fassungen, die vorallem eine erzieherische Funktion beabsichtigt haben. Die dritte Kapitel-Gruppe ist Don Juan Manuel und seinem Werk ,, El Conde Lucanor" gewid-