Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
Seite
51
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LII/ 101, Wien 1998, 51-55

Ethnographie ohne Grenzen als eine Perspektiveder Europäischen Ethnologie

Magdaléna Paríková

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Die Idee einer Ethnographie ohne Grenzen ist nicht neu undbestimmte die frühen wissenschaftlichen Bemühungen imFach Volkskunde im mitteleuropäischen Raum. Zwei Welt-kriege und die politischen Verhältnisse in Osteuropa danachverursachten eine tiefe Zäsur und Unterbrechung der Kontak-te. Die Autorin spricht vom Ethnozentrismus des Faches, dervielfach in blanken Nationalismus umgeschlagen ist, undversucht, den Begriff Grenze als politisch- administrativ, geo-graphisch, kulturell, sprachlich und ethnisch determiniert aus-zuloten.

Das Thema dieser Überlegungen sollte eigentlich als Frage formuliertwerden, und zwar als Fragestellung zu zwei Problemkreisen, ohnederen Beantwortung wir nicht zum Kern unserer gegenwärtigen Über-legungen und vielleicht auch zukünftigen Realisierung des vorge-schlagenen Projektes- weiterschreiten können. Was ist unter demBegriff Ethnographie ohne Grenzen zu verstehen, was für einen Inhaltmiẞt man ihm bei? Und: Kann eine Ethnographie ohne Grenzeninnerhalb der Karpaten und der Länder Mitteleuropas eine Perspek-tive der europäischen Ethnologie sein?

Aus fachgeschichtlicher Perspektive ist festzustellen, daß der Be-griff oder besser gesagt: die Forschungsrichtung Ethnographie ohneGrenzen eigentlich- zumindest was den Inhalt betrifft- nicht ganzneu ist. Dies bestätigen zahlreiche Ergebnisse volkskundlicher For-schung in mehreren europäischen Ländern. In diesem Zusammen-hang seien gemeinsame bilaterale oder breiter konzipierte Forschun-gen erwähnt, die hauptsächlich auf die interethnischen Kulturbeziehun-gen abzielten, und die sich nicht nur in Büchern und Aufsätzen, sondernetwa auch in ethnokartographischen Arbeiten niederschlugen.

Der Umfang einer Ethnographie ohne Grenzen war ab den fünfzi-ger Jahren des 20. Jahrhunderts- und bis vor kurzem- sichtlich durch