Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LII/ 101, Wien 1998, 65–67
Polnische Ethnographie in OstgalizienForschungen und Publikationen bis 1914
Edward Pietraszek
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Der Autor skizziert die wesentlichen Leitlinien der polnischenEthnographie in Ostgalizien im 19. Jahrhundert und nenntdabei die bedeutenden Namen, Publikationen und Institutio-nengründungen.
Mit Beginn des 19. Jahrhunderts rückte das ostgalizische Volk in denBlickwinkel ethnographischen Interesses in Polen. Die ersten Veröf-fentlichungen zur Volkskunde Ostgaliziens verdanken wir IgnacyLubicz Czerwiński, der über ein Dorf jenseits des Dniestr zunächsteinen Artikel( 1805) und später eine vollständige Monographie( Oko-lica Zadniestrska, 1811) veröffentlichte. Ab 1819 machte sich impolnischen Milieu Lembergs unter dem Einfluß des aus Österreichstammenden jungen Professors an der dortigen Universität, KarlHüttner, und seines 1822 erschienenen Werkes„, Piesni Ludu"( Liederdes Volkes) ein wachsendes Interesse für slawische Folklore bemerk-bar. Im Jahre 1833 wurde in Lemberg eine umfassende Liedsamm-lung„ Polskie i ruskie piesni ludu galicyjskiego"( Polnische undruthenische Lieder des galizischen Volkes)- von Wacław Zaleskiveröffentlicht. Zaleski war Aristokrat und Politiker und wurde späterStatthalter Galiziens. Einige Jahre später gab Zegota Pauli eine ähn-liche Sammlung galizischer Lieder heraus. In dieser Zeit erschienenin Lemberger Zeitschriften auch erste Artikel mit landeskundlichemInhalt. Besonderes Interesse galt schon damals den Karpatenbewoh-nern. Der damals bekannte Schriftsteller Józef Korzeniowski publi-zierte sein Drama„ Karpaccy górale“( Karpatenbewohner, 1843), indem er die Freiheitsliebe der Huzulen angesichts der Bedrängnisdurch die österreichische Staatsgewalt schilderte. Der volkstümlicheDichter, Landes- und Volkskundler Wincenty Pol, der kurze ZeitProfessor an der Universität in Krakau war, hielt im Jahre 1851Vorträge über Ethnographie, darunter auch über die Ethnographie