1998, Heft 1
Chronik der Volkskunde
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Bericht zum Symposion
,, Reflecting Cultural Practice. The Challenge of Field Work"in Frankfurt am Main vom 30.- 31. Oktober 1997anläßlich der Verleihung des Goethe- Preisesan Ina- Maria Greverus
Traditionelle Feldforschung oder Field Performance? Mit einer Fortsetzungder ,, Writing Culture"-Kritik der 80er Jahre beschäftigte sich ein internatio-nales Symposion vom 30. bis 31. Oktober 1997 in Frankfurt am Main. DerTitel der Veranstaltung lautete„ Reflecting Cultural Practice. The Challengeof Field Work". In etwa dreißigminütigen meist englischsprachigen Refera-ten steckten die Vortragenden die Probleme, Unsicherheiten, Vorteile undMöglichkeiten der Feldforschung als Methode zur Erkenntnisgewinnungund damit als kulturelle Praxis ab. Die Frage nach dem Erkennen, derErkenntnis an sich wurde gestellt und den verschiedenen Bedeutungen vonPraxis breiter Raum gewidmet. Es ging um die Fehler und Mängel frühererForschungen und um neue methodische Ansätze für Gesellschafts- und Kultur-konstellationen der( Post-) Postmoderne. Der Umgang mit Feldforschungser-fahrungen und die Stellung der Feldforschung in unserem Fach wurden ebensohinter- bzw. befragt wie die vielfältigen Beziehungsmöglichkeiten zu den,, Beforschten" und der Umgang mit( vermeintlichen) Ergebnissen.
Zunächst aber versammelten sich die rund 100 TeilnehmerInnen desSymposions in der Aula der Johann Wolfgang Goethe- Universität, um imAnschluß an die Eröffnungsvorträge der Verleihung des Goethe- Preises anIna- Maria Greverus durch die Ministerin für Wissenschaft und Kunst desLandes Hessen beizuwohnen. Der Rektor der Universität sprach einleitendeWorte. Der Dekan des Fachbereichs Klassische Philologie und Kunstwis-senschaften, der Vorsitzende des Executive Committee of the EuropeanAssociation of Social Anthropologies- Ulf Hannerz – und Regina Römhildsowie Heinz Schilling vom Institut für Kulturanthropologie und Europäi-sche Ethnologie Frankfurt würdigten in ihren Festreden das Lebenswerk derFeldforscherin und Theoretikerin Ina- Maria Greverus.
George E. Marcus( Houston) steckte mit seinem Vortrag den themati-schen Rahmen des Symposions ab. Ausgehend von der Kritik in den 80erJahren zeigte er die Schwächen der daran anschließenden Experimente auf.Es waren damals das Wesen des Verhältnisses von Forscher und Informantund die Frage nach dem Wissen, das diese Beziehung produzieren soll,vernachlässigt worden. Marcus forderte eine Neukonzeption von Feldfor-schung in Theorie und Praxis und stellte dazu zwei Möglichkeiten vor,wovon eine das Ideal der Zusammenarbeit zwischen Anthropologen undBeforschten betraf. Als Anregung stellte er die Arbeit von Abdel Hernandez