Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
Seite
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1998, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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rischen Folklorismus. Der Beitrag von Kirill V. Čistov befaßt sich mitmethodischen Problemen des Aufzeichnens von Klageliedern in Rußland.Ildiko Kríza analysiert das relativ seltene Phänomen der gleichen Sujetsinnerhalb der ungarischen Märchen- und Balladenüberlieferung, und Bo-huslav Beneš wendet sich den Problemen und Perspektiven des Volksthea-ters im tschechischen und slowakischen Raum zu. Als Brauchtumstheater Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumstheaterschließt es rituelle Umgänge ebenso wie die verschiedensten Auftritte vonKindern, Jugendlichen und Erwachsenen oder anderen sozialen Gruppen imRahmen von Jahres- oder Familienbräuchen ein, unterliegt heute jedochoftmals der stilistischen Überarbeitung von Folkloreensembles, die es inbühnenreifer Fassung präsentieren.

Volkskundliche Forschung lebt- wie die hier annotierten Beiträge zei-gen- von der Überlieferung, das heißt von detaillierter Materialkenntnis ausVergangenheit und Gegenwart. Sie versucht, Kontinuitäten in der Entwick-lung aufzudecken, und arbeitet mit den Methoden der Sammlung undempirischen Erhebung, der detailgetreuen Beschreibung, der Analyse undder Interpretation. Der teilweise berechtigte Vorwurf der siebziger undachtziger Jahre, Volkskunde gäbe sich mit positivistischer Materialanhäu-fung zufrieden, hat unter anderem dazu verleitet, mittels mehrdeutigerInterpretationsmethoden die präzise Dokumentation zu ersetzen und theo-retische Betrachtungen nicht auf historischen Entwicklungen, sondern aufflüchtigen Beobachtungen zu gründen. An die Stelle schlüssig argumentie-render Abhandlungen traten oftmals problemorientierte Essays. Um sobegrüßenswerter erscheint jetzt das erneute Nachdenken über die Stellungunseres Faches. Das Bedürfnis nach Orientierung fordert zwar zur fächer-übergreifenden Kooperation auf, betont aber auch die Spezifik jeder Diszi-plin, die von ihren Traditionen, ihren methodischen Möglichkeiten undErkenntnisbedürfnissen geprägt ist. Bei aller Bereitschaft zum Dialog dür-fen die Konturen nicht verwischt werden. Volksleben und Volkskultur inVergangenheit und Gegenwart" wird diesen Anforderungen gerecht.

Susanne Hose

Vrzgulová, Monika: Známi- neznámi Trenčania. Živnostníci v meste1918–1948[ Bekannte- unbekannte Trentschiner. Städtische Gewerbetrei-bende 1918–1948]. Verlag Peter Popelka, Bratislava 1997, 82 Seiten.

Mit der Unterstützung vieler Unternehmer der Stadt Trenčín/ Trentschin istes nunmehr der Ethnologin Monika Vrzgulová gelungen, die Ergebnisseihrer zehn Jahre dauernden Untersuchungen über die Entwicklung, die sichwandelnden historischen Schicksale und die Stellung der selbständigen