Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LII/ 101, Wien 1998, 191-220
,, Pro Vita Alpina❝
Ein diskursanalytischer Versuch
Michaela Gindl und Ulrike Tauss
Die Autoren untersuchen die Institution ,, Pro Vita Alpina" indiskursanalytischem Zugang, wobei sie das gleichnamige Publi-kationsorgan als Quellenmaterial heranziehen. Nach einleitendenÜberlegungen zu Theorie und Methodik der Diskursanalysewerden Themenstellung und Begriffswahl, das institutionelleund personelle Substrat sowie das ideengeschichtliche Umfelddieses ,, Vereins für gesellschaftliche, kulturelle, ökologische undökonomische Entwicklung im Alpenraum“ behandelt.
1. Brennende Provinz?
,, Brennende Provinz"- nicht wenige Personen, Gruppen, Initiati-ven, Institutionen, Zeitschriften und Veranstaltungen nehmen heutefür sich in Anspruch, die Provinz zum Brodeln und zum ,, Brennen“zu bringen. Auch wenn sie alle aus den unterschiedlichsten Blickwin-keln auf das Land schauen und teils völlig verschiedene Ansprücheund Ziele haben- eine Perspektive ist ihnen gemeinsam: Die jewei-lige Region und die in ihr lebenden Menschen werden als dynamisch,aktiv und eigenständig, als voller Energie und innovativer Kraft gesehen.Der Verein ,, Pro Vita Alpina“, um den es im folgenden geht, reiht sichhier ein. Die von ihm produzierten Bilder und Vorstellungen, ihresprachliche Umsetzung und Vermittlung und die dabei eingesetztenBegriffe wollen wir einer genaueren Betrachtung unterziehen.
1,, Brennende Provinz?"- ein vom ,, Aktionsradius Augarten“ initiiertes Projektsteht als Metapher für dörfliche Aufbruchstimmung. Zugleich lautete so dasThema eines Seminars, das im Sommersemester 1996 am Institut für Volkskundeder Universität Wien unter der Leitung von Prof. Konrad Köstlin abgehaltenwurde und in dessen Rahmen diese Arbeit entstanden ist.