1998, Heft 2
Chronik der Volkskunde
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Begleitveranstaltungen für Kinder zur Ausstellung
,, Mit dem Gefühl der Hände.
Zeitgenössische Töpfer in Niederösterreich"( 26.10.1997-22.02.1998)
Das Österreichische Museum für Volkskunde zählt zu jenen Museen, indenen es den Besuchern prinzipiell nicht gestattet werden kann, Exponatezu berühren. Zur Absicherung unersetzbarer und wertvoller Ausstellungsob-jekte sind die Vitrinen als Ort der sicheren Aufbewahrung völlig verschlos-
sen.
Bereits die Präsentation der Exponate zur rezenten Gebrauchs- bzw.Gefäßkeramik geschah diesmal vor einem anderen Hintergrund. Es handeltesich weder um unersetzbare Kunstwerke noch um unwiederbringliche Schät-ze historischer Volkskunst, sondern um Beispiele eines aktuellen Waren-spektrums, jederzeit für Kunden reproduzierbar und auf Töpfer- und Kunst-handwerksmärkten sowie in den Werkstätten der Künstler und den Verkaufs-lokalen der Gewerbebetriebe erhältlich. Unter diesem Gesichtspunkt wur-den vom Ausstellungsarchitekten Alexander Kubik Vitrinen aus mehrfachverleimtem Holz entworfen und in den Werkstätten des Volkskundemu-seums von Franz Schlosser gebaut. Die Struktur des hellen Sperrholzes mitden mehrfach durchbrochenen Außenwänden sollte beim Betrachter dieAssoziation zu Holzregalen hervorrufen, auf welchen im Verkaufsraumeiner Töpferei heutzutage Ware angeboten wird.
Der Gesichtspunkt der Ersetzbarkeit ermöglichte es weiters, zusätzlicheTöpferware für eine ,, aktive und sinnliche Auseinandersetzung“ der Besu-cher', eben ,, mit dem Gefühl der Hände“ zur Verfügung zu stellen. Dasmuseumspädagogische Angebot des Volkskundemuseums, durchgeführtvon der Ausstellungskuratorin selbst, richtete sich an Kunst- und Werkerzie-her von Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen. Das Schülerprogrammsollte über die rein optische Kulturvermittlung hinausgehen 2 und umfaßte
1 Kurt Daucher: Berühren erlaubt! In: Múzeum. Museum in Mitteleuropa. Jg. XLI,Heft 4, Bratislava, Slovenské národné múzeum 1996, S. 14-15.
2 Museumspädagogische Aktivitäten sollen ,, in den Kindern das Interesse anVolkskunde und Kulturgeschichte wecken, fördern sowie ihnen Zusammenhängezwischen gestern, heute und morgen klar( er) machen..." siehe Prasch- Bittricher,Dagmar, Hartmut Prasch: Erfahren- Erforschen- Erleben. Kinder erkundenGeschichte und Kultur. Bezirksheimatmuseum Spittal/ Drau 1991, S. 8 und vgl.Harringer, Sanna, Bärbl Mayer: ,,... sie erklären und erklären und zeigen undzeigen und reden und reden." BesucherInnenbetreuung am ÖsterreichischenMuseum für Volkskunde. In: ÖZV XLVIII/ 97, Wien 1994, Heft 2, S. 153-155:Vermittlungsarbeit in Museen soll u.a. die ,, Einweg- Kommunikation" im Muse-