Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
Seite
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1998, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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Mader, Bernd E.: Der Höllerhansl- Leben und Wirken des NaturheilersJohann Reinbacher. Graz, Styria, 1997, 160 Seiten, Abb.

Ein fanatischer Mann ist Gegenstand dieses Buches, eines Buches, das ausder Feder eines ebenso bemerkenswerten Herrn stammt. Der Autor istApotheker, der seine Liebe zur Volkskunde durch eifriges Studium diesesFaches bekundet und sich daran gemacht hat, die alten bäuerlichen Lebens-formen in der Umgebung von Stainz zu studieren. Als echter Feldforscherstieß er während seiner Erkundigungen auf einen seltsamen, mit Legendenumwobenen ,, Wunderheiler", den weitum bekannten ,, Höllerhansl. Unddieser, den Herrn Apotheker faszinierenden Gestalt ist das vorliegendespannende Buch gewidmet.

Der Höllerhansl gehört zu einer verschwundenen bäuerlichen Welt, in derNatur- und Wunderheiler von großer Attraktivität waren, denn sie warenbilliger und manchmal auch erfolgreicher als die ,, normalen Ärzte.

Zunächst zeichnet der Autor ein Bild von der Heimat des Höllerhansls,vom Ort Rachling in der Weststeiermark, dann schildert er die Vorfahrendieses Mannes, der mit bürgerlichem Namen Johann Reinbacher hieß undvon 1866 bis 1935 lebte.

Bereits der Vater, der vergeblich um eine Gasthauskonzession angesuchthatte, war der Kurpfuscherei verdächtigt worden.

Das Leben des Höllerhansl, geboren in Dörfl und in Bad Gams getauft,ist, wie der Autor es richtig erfaßt hat, aufzeichnenswert. Bereits als Halter-bub beschäftigt er sich mit alten Arzneibüchern. 1890 tritt er in den Karme-literorden in Graz ein, sein Ordensname wird Frater Macarius ab ImmaculataConceptione. Nur zwei Monate hält es den Ordensbruder, dann beginnt einbuntes Leben. Er wird zum Kapellenbauer, zum Gastwirt und Greißler, undschließlich zum Soldaten. Nach dem Ersten Weltkrieg setzt die große Zeitdes Höllerhansl ein, obwohl er schon über 50 ist. Er wird zum vom Orient Glossar ::: zum Glossareintrag  Orientbis nach Übersee bekannten Naturheiler. Der Name des ,, Höllerhansl" wirdzum Markenzeichen. Er versteht es, aus dem Harn der zu ihm kommendenLeute deren Leiden zu erkunden. Nach dem Ergebnis der Harnschaurichten sich die Heilmethoden, nämlich im Verabreichen der vom Höller-hansl selbst kunstvoll gebrauten Tees, diversen Heilkräutern und anderenSubstanzen.

Der Höllerhansl hat Erfolg, er wird berühmt und schließlich pilgern zuihm nach Rachling Hunderte von Menschen. Die Eisenbahn von Graz nachStainz macht dabei gute Geschäfte, sie erhält ob der vielen zum Höllerhanslmit ihrer Harnflasche fahrenden Leute die freundliche Bezeichnung ,, Fla-scherlzug". Der Massenandrang ist groß. In einer Zeitung spricht man sogarvon einem ,, steirischen Massenwahn beim Wunderbader von Stainz.