Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LII/ 101, Wien 1998, 329-332
Mitteilungen
Über die diskursanalytische Versuchung in der Volkskunde
Anmerkungen zu ,,, Pro Vita Alpina. Ein diskursanalytischer Versuch"von Michaela Gindl und Ulrike Tauss in ÖZV LII/ 101( 1998),H. 2, S. 191-220
Elisabeth und Olaf Bockhorn
,, Das( Prüfen) überließen sie einem neuen jungenProfessor für vergleichende Literaturwissenschaftaus Galway, der Bücher nur als, Texte' bezeichneteund jede andere Mitteilung, ob schriftlich oder an-ders, als, Diskurs‘.“
Mary Breasted, Das Wunder von Dublin. München1998, S. 100
Wir beginnen- und bedienen uns eines methodischen Zugangs, den auchdie beiden Autorinnen gewählt haben, wenn sie ständig etwas vermuten oderannehmen- mit einer Vermutung: daß nämlich nur wenige LeserInnen dieKraft aufgebracht haben, sich den genannten ,, diskursanalytischen Versuch"zur Gänze zu Gemüte zu führen. Ein ,, Text", der allein auf Seite 196 zehnmaldas Wort ,, Diskurs" und dreimal Varianten davon aufweist, wäre ja selbstfür Personen mit eingeschränktem Sprachgefühl schwer zu ertragen. Denen,die die Lektüre abgebrochen haben, blieben weitere ,, Diskurse"( insgesamt,ohne Fuẞnoten, 45) ,,, Diskursanalysen“( 10) sowie Mutationen( ,, diskur-siv“ ,,, diskursanalytisch“) ebenso erspart wie die bescheidenen Ergebnissedieses dreißig teure Druckseiten füllenden ,, Versuchs".
Was war eigentlich sein Ziel? Die Zeitschrift ,, Pro Vita Alpina" zu diskursa-nalysieren, den gleichnamigen Verein, den mutmaßlichen ,, Protagonisten"Hans Haid? Letzterer scheint jedenfalls im Mittelpunkt gestanden zu sein, denn,, er stellt sich für uns( die Verfasserinnen) immer wieder als die zentrale Figurin diesem Diskurs dar, als der Sprecher schlechthin“( S. 211). Von ihm, so dieEinschätzung ,,,( dürften) die meisten Beiträge stammen", in ihm vermuten diebeiden auch den Dichter der„ Gedichte und Liedtexte“, verfaßt ,, in einemDialekt recht ungewisser geographischer Provenienz“, der, falls die Vermutungder Autorenschaft von Hans Haid stimmt, dessen eigener ist( S. 204).
Falls das schon Ergebnisse der ,, Diskursanalyse" sein sollten, so ist das obengebrauchte Wort ,, bescheiden" noch einigermaßen übertrieben. Wir erlauben