Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LII/ 101, Wien 1998, 333-344
Chronik der Volkskunde
Ethnographische Arbeits- und Organisationsforschung
Tagung der DGV- Kommission Arbeiterkulturforschungam 8. und 9. Mai 1998 am Institut für deutscheund vergleichende Volkskunde der Universität München
Es wurden, das sei vorweg ausdrücklich positiv vermerkt, keine Hauruck-Reden gehalten- obwohl man dies hätte erwarten können. War doch einegewisse Krisenstimmung und die Frage, ob und wie denn die Kommissionfortgeführt werden solle und könne, Anlaß der Münchner Tagung; auf einemTreffen am Rande des Marburger Kongresses war der Plan zu einer Tagungim kleineren Rahmen entstanden, zu einer Stoffsammlung über die derzei-tige Forschungsarbeit im Fach, aber auch über künftige Perspektiven derKommissionsarbeit.
Wie sich dann in München in den zwölf Beiträgen der Tagung und in denDiskussionen zeigte, sind es zwar sehr heterogene Arbeitsfelder, die da imMoment abgedeckt werden; so reichte die Spannbreite der Themen vonArbeitslosigkeit, über Frauenerwerbstätigkeit und Subunternehmertum bis hinzu Organisationsforschung und( volkskundlicher) Projektarbeit. Doch folgtendie meisten darin einer spezifischen, im Grunde derselben Methodologie: In derRegel wird Arbeits- und Organisationsforschung in einer doppelten Perspektivebetrieben: Da geht es mit freilich je unterschiedlichen Gewichtungen undAkzentuierungen um die Deutungs- und Handlungsmuster der Anderen,immer aber auch um das eigene Arbeiten und Forschen.
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Es ist zumeist jener von Götz Bachmann angesprochene ,, Blick zurücknach vorn", der das Forschungsinteresse bestimmt, und damit die Auseinan-dersetzung mit den aufklärerischen wie auch sozialromantischen Traditio-nen einer volkskundlichen Arbeiterkulturforschung. So entwickelte KlausSchriewer seine Perspektiven einer volkskundlichen Erforschung von Ar-beitswelt und Unternehmenskultur aus der Kritik gerade jener Konzepte, dieauch heutige Arbeitswelten im Dualismus zweier Klassen interpretieren.Schriewer stellte diesen ein erweitertes Modell gegenüber, indem er zwi-schen Lohnunabhängigen, Führungskräften und Selbständigen differenzier-te; in diesen Kategorien wäre zu fragen, wie im einzelnen Arbeit( aber auchFreizeit) verstanden, erlebt und organisiert werden. Elka Tschernokoshewa