Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
Seite
335
Einzelbild herunterladen
 

1998, Heft 3

Chronik der Volkskunde

335

für ihre Firma Vertretungen im Ausland organisieren und leiten, ein Beispielfür die Forschung über sogenannte Eliten. Stefanie Krug diskutierte Standortund Kontexte anwendungsorientierter Forschung: Erziehungsurlaub als Be-schäftigungsrisiko.

Auf einem gemeinsamen Nenner gebracht, lassen sich die Beiträge alsKontextualisierungen und Netzwerkanalysen fremden und eigenen Arbei-tens in pluralistischen und flexibilisierten Lebenswelten, Organisationenund Institutionen charakterisieren. Wenn auch manches Mal holistischeBilder und Vorstellungen aufschienen, so wurde insgesamt besehen dasArbeiten in den vielfältigsten Bezügen und Transformationen vorgestellt.Andreas Wittel etwa verwies in seiner Projektbeschreibung zum Multime-dia- Sektor- Das Silicon Valley- Netzwerk- auf die Notwendigkeit, Produk-tions- und Konsumptionsverhältnisse miteinander in Beziehung zu setzen.Arbeiten heute, zumal auf der Basis neuer Kommunikationstechnologien,ist nur in komplexen Zusammenhängen und Interdependenzketten zu erfor-schen und zu verstehen- dementsprechend wurde die Kommission umbe-nannt in die Kommission Arbeitskulturen.

Zunehmend dringlicher stellt sich da die Frage nach Formen und Mecha-nismen des Wissenstransfers und damit nach zeitgemäßen und flexiblenempirischen Verfahren und Methoden. Zumal für Volkskundler und Volks-kundlerinnen, die immer öfter zwischen den Logiken von Wissenschaft undForschung und denjenigen von gewinnorientierten Organisationen und Auf-traggebern zu vermitteln haben, wird die Erforschung von Wissensproduk-tion und-vertrieb in Zukunft von zentraler Bedeutung sein. Insbesondereum dieses Problemfeld kreiste denn auch die Schlußdiskussion der Tagung.Breite Resonanz fand schließlich der Vorschlag unter anderem von Götz Bach-mann, sich mit der nächsten Tagung der Kommission auf das Thema anwen-dungsorientierte Auftragsforschung in Organisationen zu konzentrieren.

Klara Löffler

Bericht über die interdisziplinäre Tagung, Kulturwissenschaftliche Sichtweisen auf die Stadt"vom 8.5.- 10.5.1998 in Hamburg

Das Warburg- Haus in Hamburg war als Gehäuse der umfangreichen Biblio-thek Aby Warburgs ein ,, Laboratorium des Geistes" und ein ,, Denkraum derBesonnenheit", und es ist heute wieder Ort kulturwissenschaftlicher For-schungen. Der elliptisch geformte und sich in zwei Ebenen erhebendeLesesaal bildete den idealen Raum für das vom Institut für Volkskunde undvom Institut für Ethnologie der Universität Hamburg- in Wiederaufnahme