Volume 
101 (1998) / N.S. 52
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LII/ 101

Der Blick geht über das Fach hinaus, ohne die Spezifik der eigenenDisziplin aus dem Auge zu verlieren. Der theoretische Entwurf, in dem sichbereits eine Fülle von Feldforschungserfahrung der Gespräche abgelagerthat, verliert den Gegenstand nicht aus dem Auge. Die Arbeit leistet einenwichtigen und empirisch einleuchtend abgesicherten Beitrag zu den lebens-weltlichen Nutzungen und zur Wahrnehmung dessen, was die wissenschaft-lichen Höhendiskurse Postmoderne nennen. Sie wird die theoretische Dis-kussion und vor allem in der Kritik des Begriffs Lebensstil- anregen. DerBlick in die Unter- und Mittelschichten läßt erkennen, daß die Alltage dortwie auch ihre Deutungen ständig nach differenzierenden Korrekturen ver-langen, weil Zugänge ungleich verteilt bleiben. Ein opus magnum!

Konrad Köstlin

STIEWE, Heinrich: Hausbau und Sozialstruktur einer niederdeutschenKleinstadt. Blomberg zwischen 1450 und 1870(= Schriften des WestfälischenFreilichtmuseums Detmold, Bd. 13). Detmold 1996, 368 Seiten, 177 Fotos undund Strichskizzen sowie weitere Pläne und Skizzen im Katalogteil.

Das vorliegende Buch bringt in umfassender Gründlichkeit dem Leser nicht nurhauskundliche, sondern auch und darin unterscheidet es sich von vielenanderen Werken seiner Art- kultur- und sozialhistorische Perspektiven nahe.Nicht zuletzt deshalb könnte man dieses Werk fast als eine StadtchronikBlombergs zwischen Renaissance und Biedermeier bezeichnen.

Neben einer Einleitung mit Angaben über Ziel und Methoden der Arbeit,beschäftigt sich Stiewe in sechs detaillierten Einzelkapiteln mit

· Blombergs Stadtgeschichte von seiner Gründung anno 1255 an, derTopographie, der Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung sowie dernaturräumlichen und siedlungsgeschichtlichen Voraussetzungen;

den Baustrukturen, der Bautechnik und der baulichen Gestaltung derGebäude, wobei die untersuchten Objekte nicht in ein starres Schema vonBautypen gepreßt, sondern als vielschichtige volkskundliche Sachquelleninterpretiert werden;

dem Innengefüge der Häuser, inklusive der Austattung, Aufteilung undNutzung der Räume, wobei der Autor hierbei auf die Feuerstätten unddem sich aus ihrer Lage ergebenden Grundriß besonderes Augenmerkgelegt hat;

den Bewohnern der einzelnen Häuser: Hier unterscheiden der Autor nichtnur genau nach beruflichen und sozialen Gruppen, sondern setzt in einemFallbeispiel die Geschichte einer der führenden Bürgerfamilien in Bezie-