Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LII/ 101

umfassenderen Begriff sozusagen ,, verschwunden ist, bleibt ihre Erfor-schung, sowohl historisch( ,, klassische Arbeiterkultur) als auch gegen-wartsbezogen( Kultur der Arbeitenden, der ,, population that sells its labouras wage- earners", wie es der Umschlagstext des angezeigten Buches formu-liert), ein Anliegen engagierter Kulturwissenschaft, der auch eine kritischeVolkskunde zuzuzählen ist; eine, der die sozialen und kulturellen Problemeder unteren Sozialschichten, der arbeitenden und zwangsläufig nicht arbei-tenden ,, Klassen"( 18 Millionen Arbeitslose allein in den EU- Staaten ma-chen nicht nur Probleme, sie haben auch welche) wichtiger sind als ,, moder-ne ,,, postmoderne" ,,, diskursanalytische" und/ oder ,, kulturphilosophi-sche" Betrachtungen mit vergleichsweise geringer Gesellschaftsrelevanz.

Olaf Bockhorn

HANDLER, Richard, Eric GABLE: The New History in an Old Museum.Creating the Past at Colonial Williamsburg. Durham/ London, Duke Univer-sity Press, 1997, 260 Seiten.

Die be- und erlebte Geschichte als eine der Besessenheiten der Moderne wirdin Europa unter Stichwörtern wie Muséomanie oder unter dem größerenRahmenthema ,, das Gleichzeitige des Ungleichzeitigen seit geraumer Zeiterarbeitet. Spätestens durch Umberto Ecos Amerika- Reisebericht ,, Reisendurch die Hyperrealität( Travels in Hyperreality, 1986) ist auch die Spannbreitevon Museum, Nachbildung, Freilichtmuseum und Erlebniswelt in einer Mi-schung von Ironie und Theorie aufgezeichnet worden. Ein solchermaßen ge-weiteter Blick zwingt dazu, die Zusammenhänge von Institutionen und Inten-tionen scheinbar ganz unterschiedlicher Art zu überdenken. Doch sind inner-halb der kulturwissenschaftlichen Überlegungen zu Museum, Geschichte undmoderner Befindlichkeit konkrete Dokumentationen zur Kultur der Museenselbst recht rar. Wir erfahren unsere Gegenwart als durch Musealisierunggeprägt, wissen aber wenig über den Arbeitsalltag all jener, die diese Museali-sierung berufshalber vorantreiben nicht zuletzt natürlich deshalb, weil dieErforschung dieser Berufskulturen zu einem guten Teil kulturwissenschaftlicheSelbstreflexion zur Voraussetzung hat und wir uns nur langsam an die damitverbundene Verunsicherung von Kanon und Berufshabitus gewöhnen.

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Sally Price's ,, Primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitive Kunst in der zivilisierten Gesellschaft( 1992)enthält, wenn auch( absichtlich) unsystematisch, Beobachtungen aus Ge-schichte und Gegenwart zur Kultur des Ausstellens- von den Fachleuten biszu den MuseumswärterInnen. Steven E. Snows Anwendung der Theateran-thropologie auf das Freilichtmuseum Plymouth Plantation im Nordosten der