Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LII/ 101

persönliche Erfahrung und Empfindung im Umgang mit der Monatsblutung,spielt innerhalb derartiger Erklärungsmodelle keine Rolle.4

Marion Stadlober- Degwerth

I Fallopij, Gabrielis: Kunstbuch. Augsburg 1657, S. 153 f.

2 Eleonora, Maria, Rosalia/ Herzogin zu Crummau/ Fürstin zu Eckenberg: Granat-Apfel/ Gehaimbnus. Wien 1697, S. 240.

3 Hering, Sabine, Gudrun Mayerhof: Die unpäßliche Frau. Sozialgeschichte derMenstruation und Hygiene 1860-1985. Pfaffenweiler 1991.

4 Schlehe, Judith: Das Blut der fremden Frauen. Menstruation in der anderen undder eigenen Kultur. Frankfurt am Main 1987, Schlußbetrachtung.

SCHWERTNER, Johann: Bader- Quacksalber- Kräuterweibl. Ein Bei-trag zur Volksmedizin(= Schriftenreihe des Kärntner Freilichtmuseums inMaria Saal, 5). Maria Saal, Selbstverlag des Kärntner Freilichtmuseums,1998, 42 Seiten, 5 Abb.

Das Kärntner Freilichtmuseum in Maria Saal unter seinem Leiter JohannSchwertner legt in seiner Schriftenreihe nun schon das 5. Heft vor. In diesemkleinen Beiheft zur diesjährigen Sonderausstellung, die von Mai bis Oktoberunter dem Titel ,, Bader- Quacksalber- Kräuterweibl stattfand, wird dasThema Volksmedizin" angesprochen, wozu im Ausstellungsbereich an-hand von Orginalexponaten verschiedene Facetten dieses volkskundlichenTeilbereiches aufgezeigt wurden.

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Neben Kurzauszügen aus der einschlägigen volkskundlichen Literatursowie aus der Geschichte der Medizin und der ,, niederen Heilberufe", zudenen man etwa Bader, Barbiere und heilkundige Kräuterfrauen zählt, wirdauch auf berühmte Naturheiler hingewiesen. So wird neben dem steirischenWunderdokter" Johann Reinbacher, dem ,, Höllerhansl, auch sein kärnt-nerisches Pendant, der ,, Graf Michel"( 1844-1904) erwähnt, der nicht nurKranke heilen konnte, sondern dem man auch magische Kräfte zuschrieb.Berühmt war sein Wundermittel ,, Pilvasstup", ein Pulver, das er selbst auszum Teil geheim gebliebenen Beigaben herstellte, mit dem er die ,, Pilvas-Kranken" einräucherte. Im süddeutschen Raum kannte man diese Krankheitals ,, Bilvis" oder ,, Pilwiẞ"( mhd. bilwiz), wobei es sich medizinisch um eineGesichtsneuralgie handelt. Ursprünglich verstand man unter dem ,, Bilwisaber ein dämonisches Wesen, das als Krankheitsdämon auch rheumatischeSchmerzen im Gesichts- und Kopfbereich hervorrufen konnte.