Jahrgang 
101 (1998) / N.S. 52
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LII/ 101

aus Mittel- und Nordeuropa( Christus als Weinstock, Christi Blut und MariasMilch als Lebenspender usw.). Das letzte Kapitel: Die Hl. Blut- Mystikgewinnt in der gemütserregten Zeit zwischen dem späten 13. und dem frühen15. Jahrhundert in Wort und Bild Sonderausprägungen der compassio Mariasub cruce. Nachreformatorisch wandelt sie sich deutlich und erreicht neueHöhepunkte wiederum aus dem Bild- Gedanken, Christus als Blutquell* imVolksbarock( S. 85-105) versucht die Leitgedanken des Mit- Leidens Ma-rias und der Blutmystik in den Passionsbildern des Spätmitelalters und derfrühen Neuzeit in ihrer Entwicklung nachzuzeichnen. Das Motiv der Blut-besprengung Marias ist interessanterweise in den Passionsspielen und derPredigtliteratur überhaupt nicht nachzuweisen. Der Verfasser kann wiedereinmal an einem Beispiel belegen, daß die mittelalterliche Sakralkultur ihreganz eigenen Wege gegangen ist.

Es folgt ein Abbildungsverzeichnis( S. 107 ff.), Personen- und Sachregi-ster( S. 110 ff.) sowie die Abbildungstafeln. Der gehaltvolle Band ist vollvon Einsichten, Fragen und Anreizen zu weiterer Detailforschung. Wie beivielen von Kretzenbachers Arbeiten verbleibt man auch hier mit dem Ein-druck, daß im Vereinten Europa der Jetztzeit und der Vergangenheit hinterder Vielfalt der einzelnen Kulturen Leitkonstanten verborgen sind, die zuden historischen Phänomenen der longue durée gehören.

Walter Puchner

AVDIKOS, Evangelos Gr.: Το παιδί στην παραδοσιακή και τησύγχρονη κοινωνία[ Das Kind in der traditionellen und der zeitgenössi-schen Gesellschaft]. Athen, Hellenika Grammata, 1996, 370 Seiten, 42 Abb.auf Taf. und im Text.

Der Verfasser, dessen Monographie über die Stadt Preveza an dieser Stellebesprochen werden konnte( ÖZV XLVI/ 95, 1992, S. 565–568), sowie auchsein Handbuch über das Märchen( Fabula 36, 1995, S. 108 f.), zur Zeit ander Pädagogischen Abteilung der Thrakischen Universität in Alexandrupolistätig, legt hier eine kulturwissenschaftliche Studie über Kind und Kinder-kultur in der traditionellen und modernen griechischen Gesellschaft vor, wobeieine Fülle von klassisch volkskundlichem Material eingearbeitet ist. Das 1.Kapitel, ,, Auf der Suche nach dem Kindesalter( S. 15 ff.) geht auf die interna-tional seit etwa zwei Jahrzehnten blühende Kinderforschung ein, diskutiertallgemeine Problemstellungen, die griechischen Spezifica, bemüht sich umBegriffsdefinitionen usw. Kapitel 2 ist der Geburt gewidmet( S. 51 ff.), wobeizwischen sozialer, biologischer und symbolischer Geburt unterschieden wird;