Zum Verständnis und Unverständnis
von Rudolf Trebitsch
Der Beitrag eines Ethnologenzur Baskologie
Bernhard Hurch
Rudolf Trebitsch( 1876-1918) ist bekannt für sein tatkräf-tiges Engagement in der institutionellen Etablierung derVolkskunde in den späten Jahren der Monarchie in Ös-terreich. Eines seiner prägenden Interessensgebiete wardie baskische Sammlung des Museums für Volkskunde inWien. Der vorliegende Beitrag nähert sich dem intellek-tuellen Hintergrund des Zustandekommens dieser Samm-lung kritisch, insbesondere durch die kommentierte Editi-on der Korrespondenzen von Trebitsch mit J. de Urquijo( einem baskischen Politiker, Gelehrten und Förderer) undH. Schuchardt( einem der führenden Persönlichkeiten derAllgemeinen, Romanischen und Baskischen Sprachwis-senschaft der Zeit).
1. Zur Einführung¹
Rudolf Trebitsch war eine mit Sicherheit für die Forschung nicht un-umstrittene Figur. Ihn eine Forscherpersönlichkeit zu nennen, träfe dieWirklichkeit nicht. Man begegnet seinem Namen in der einschlägigenFachgeschichte und Literatur an zumindest zwei Stellen: Von ihm stam-men die ältesten systematischen Sprachaufnahmen zu baskischen Dialek-ten, und er lieferte für das damals im Aufbau begriffene ÖsterreichischeMuseum für Volkskunde eine baskische Sammlung, deren Wert es letzt-lich noch im Detail festzumachen gilt. Dieses sind Verdienste, die primafacie nicht infrage gestellt werden sollen, denn es sind bleibende Beiträge,die natürlich auch Alleinstellungsmerkmale tragen. Mittlerweile wur-den im Rahmen der Edition historisch relevanter Aufnahmen aus denBeständen des Phonogrammarchivs der Österreichischen Akademie der