Chronik der Volkskunde
Grenzgebiet als Forschungsfeld. Aspekte der ethnografischen undkulturhistorischen Erforschung des Grenzlandes.
Internationale Tagung des Instituts für Sächsische Geschichte und Volks-kunde e. V. Dresden in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Geschichteder Technischen Universität in Liberec, 9. bis 11. November 2007
Die auf verschiedene Weise betrachtete Grenzlandproblematik gehörtseit Jahrzehnten zu den traditionellen Forschungsfeldern ethnografischangelegter Untersuchungen. Unter dieser Prämisse werden am Institutfür Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.( ISGV) in Dresden be-reits seit Längerem verschiedene Projekte zur Erforschung des Grenz-gebietes und zu Migrationsprozessen realisiert. Daher widmete sich dievom ISGV in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Geschichte derTechnischen Universität Liberec organisierte Tagung der historischenund gegenwartsbezogenen Untersuchung des spezifischen Alltagslebensin Grenzregionen. An der sowohl interdisziplinär als auch internationalkonzipierten Veranstaltung nahmen etwa 50 Wissenschaftlerinnen undWissenschaftler der Fachgebiete Europäische Ethnologie, Soziologie,Geografie und Geschichte aus Ostmitteleuropa teil. Dabei wurden Fra-gen der kulturwissenschaftlichen Analyse des Grenzlandes und dessenBewohnerinnen und Bewohnern thematisiert, um auf weiterführendeForschungsdesiderate und methodische Zugänge aufmerksam machen zukönnen. Die in deutscher Sprache durchgeführte Konferenz wurde vonder Krajská vědecká knihovna in Liberec, in deren Räumlichkeiten auchdie Tagung stattfand, und dem Sonderfonds Östliches Europa- Erkun-dungen und Annäherungen( München) unterstützt.
Petr Lozoviuk( Dresden) führte in die Thematik ein, wobei er aufdie verschiedenen denotativen und konnotativen Bedeutungsrelationendieser vermeintlich a priori räumlich determinierten Markierung ver-wies. Der Referent baute seine Argumentation auf der These auf, auchin Europa gäbe es eigenständige Forschungskonzepte, die sich zum Zielsetzten, das Problem der Grenze auf unterschiedlichen Ebenen ethno-grafisch zu behandeln. Die volkskundliche Betrachtung der Grenze undGrenzgesellschaft in Mitteleuropa wurde dann kurz anhand des böhmi-schen Beispieles historisch skizziert. Lozoviuk betonte, dass die deutsch-böhmischen und tschechischen Volkskundler sich insbesondere dreiFormen der räumlichen Grenzziehung zugewandt haben- nämlich derpolitischen Grenze, der so genannten Sprachgrenze sowie den kulturellfeststellbaren Grenzziehungen. Anschließend wurden einige Ansätze der
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