Jahrgang 
112 (2009) / N.S. 63
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Literatur der Volkskunde

Emil, Brix, Ernst Bruckmüller und Hannes Stekl( Hg.):

Memoria Austriae I- III, Wien: Oldenbourg- Verlag, 2004-2005.Bd. I Menschen Mythen Zeiten, 584 Seiten, s/ w Abb.

Bd. Il Bauten Orte Regionen, 476 Seiten, s/ w Abb.

Bd. III Unternehmer Firmen Produkte, 395 Seiten, s/ w Abb.

Auch noch vier Jahre nach dem» Gedankenjahr« 2005 lohnt ein Blickauf die>> Memoria Austriae«<, jene in den österreichischen Rundfunk- undPrintmedien weithin rezipierte Trilogie zum Gedächtnis Österreichsoder zum Gedächtnis dessen, was als» österreichisch«< im national- kultu-rell- wirtschaftlichen Sinne gedacht worden ist. Dabei stellt sich die Fra-ge, ob die drei schwergewichtigen roten Bücher, erschienen im deutschenOldenbourg- Verlag, nur einem jubiläumsorientierten Bedürfnis nationa-ler Selbstbefragung geschuldet sind oder ob sie mehr und vor allem auchnachhaltiger das» Gedächtnis Österreichs«< oder das» Erinnern an Öster-reich<< aufzeigen.

Die drei Bände sind nicht chronologisch, sondern inhaltlich konzi-piert: von>> Menschen Mythen Zeiten« über» Bauten Orte Regionen<< bisschließlich zu» Unternehmer Firmen Produkte«. Und wie bei einem sobreit angelegten Kompendium kaum anders denkbar, sind die Beiträgevon unterschiedlicher Qualität und entwickeln sich auch aus unterschied-lichen theoretischen und methodischen Ansätzen. Auch was die inhaltli-che Aktualität bzw. Nachhaltigkeit anlangt, ergibt sich ein divergierendesBild: So hatte etwa die Geschichte den dritten Band schon bei seinemErscheinen eingeholt, waren doch einige Texte bereits im Jahr 2000 ab-geschlossen worden bzw. basierte die Einleitung auf einer 1998 durchge-führten Erhebung. Allerdings macht diese Historizität auch bereits deut-lich, wie sehr kulturelles und überhaupt kollektives Gedächtnis- denn andiesen Parametern à la Halbwachs, Nora oder Assmann arbeitet sich dasUnternehmen>> Memoria Austriae« entlang( vgl. Bd. 1, Vorwort) einemWandel folgen, der sich rascher vollzieht als die Dauer jener drei Men-schengenerationen, die laut Aleida Assmann vom Individuum erinnertwerden kann. Insofern ist natürlich auch der Vorsatz, nationale Erinne-rungs- und Identitätsbestände erfassen zu wollen, problematisch, wirddoch eben dadurch dazu beigetragen, diese Bestände festzuschreiben undsomit auch zu konstituieren.

Jedenfalls präsentiert sich das hier gezeigte Österreich ausgesprochenvielfältig und reflektiert und als europäischer Staat. Ausgangspunkt derKonzeption der drei Bände war ein gewissermaßen basisdemokratisches

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