Literatur der Volkskunde
¡ VIVA ESPANA! Von der Alhambra bis zum Ballermann.
Deutsche Reisen nach Spanien(= Volkskundliche Veröffentlichungendes Badischen Landesmuseums Karlsruhe, Bd. 8). Berarb. von Anne- KatrinBecker, Margarete Meggle- Freund. Mit Textbeiträgen von Anne- KatrinBecker u.a. Karlsruhe: Info Verlag 2007, 168 Seiten.
Der Katalog»> VIVA ESPANA« ist im Kontext der gleichnamigen Aus-stellung zu sehen, die von Mai bis Oktober 2007 im Badischen Landes-museum gezeigt wurde. Auf rund 170 reich bebilderten Seiten kann mansich in südliche Gefilde träumen und sich mit spanischer Kultur ausein-andersetzen. Spanien in seiner Geschichte und Aktualität, das muss gleichzu Beginn der weiteren Ausführungen betont werden, ist jedoch nicht das>> eigentliche<< Thema des anzuzeigenden Katalogs, vielmehr geht es umausgewählte Berührungspunkte von Deutschen und Spaniern, um dasLand, dessen Küsten den» boom turistico« verkraften müssen oder des-sen maurische Geschichte im 19. Jahrhundert einen Hauch von» Orient-zauber Glossar ::: zum Glossareintrag zauber<< auch nach Deutschland brachte( vgl. die Synagoge in Ingenheim,die Friedrich von Gärtner 1830 im maurisch- orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen Stil plante,oder die>> Alhambra des Schwarzwaldes«( um 1900), das Eberhardsbad inBad Wildbad, S. 64).
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Grundlage und Ausgangspunkt des Katalogbandes sind deutsche>> Spa-nienbilder«<, also bildhafte Vorstellungen und Stereotype, die Deutschemit Spanien verbinden. Harald Siebenmorgen befasst sich folgerichtigin seiner Einleitung mit den Deutschen und ihrem» Spanientraum« undDietrich Briesemeister mit dem Thema» Spanienbilder im Wechselrah-men«<. Wechselhaft, gar widersprüchlich- so das Ergebnis der Analysensei das Verhältnis zwischen Deutschland und Spanien, es weise»> erheb-liche Schwankungen und Wandlungen« auf, die Briesemeister in der» po-litischen, religiösen und kulturell- geistigen Geschichte beider Länder<<( S. 17) begründet sieht. In der Mitte des 16. Jahrhunderts hatte sich inEuropa ein Negativbild von Spanien verfestigt:» Den Spaniern werdenmaurischer oder jüdischer Einschlag, Prahlsucht, Stolz, herrisches Auf-treten, trickreiche Rede- und Verhandlungskunst, Scheinheiligkeit, Grau-samkeit und Unmoral nachgesagt«( S. 20). Von England über Frankreichund Italien fasste im Zuge sowohl politischer und kriegerischer Ausein-andersetzungen als auch konfessioneller Gegensätze ein>> Schreckbild desSpaniers«<( S. 20) Fuß, ein Feindbild, das von den Spaniern als» leyendanegra«<, als» Schwarze Legende«, empfunden wurde. Spanien, das zeigtauch Margarete Meggle- Freund in ihrem Beitrag» Das romantische Spa-
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