Jahrgang 
112 (2009) / N.S. 63
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neuerDings

Das Bad im Schrank

Seit dem sozialen Wohnbau der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhundertsgehören Badezimmer in Wiener Miethäusern zum regulären Standard.Gewöhnlich verdienten sie den Namen jedoch nicht wirklich, denn in derstarren Raumdisposition dieser Häuser handelte es sich keineswegs umhalbwegs geräumige Zimmer sondern meist um einen Schluf ohne Ta-geslicht, der weniger als Wohlfühlraum der körperlichen Entspannungund Regeneration diente, als der reinen Hygiene und Körperpflege. Aberimmerhin, die Wohnungen hatten ab da ihre sauberen, zweckdienlichenSanitärzellen mit fließendem Wasser. In den Jahrzehnten davor war dieKörperpflege meist in den Küchen verortet. Zwar gehörte auch zu denSchlafzimmermöbeln gewöhnlich ein Waschtisch, doch in der Küche,in der es stets warm war, stand neben einer Kredenz, einem Tisch undSesseln fast immer auch ein Waschstockerl mit eingesetztem Lavoir undeiner Wasserkanne. In den Gründerzeithäusern blieb dieser Standard oftbis lang nach dem zweiten Weltkrieg bestehen, da ein Um- und Ausbauder Wohnungen finanziell häufig nicht leistbar war.

Doch die Haushaltstechnik entwickelte sich in der Nachkriegszeitrasch, und man dachte sich findige Zwischenlösungen für nicht befrie-digende Wohnbedürfnisse aus. Eine solche hat sich im 7. Wiener Ge-meindebezirk bis zum Jahr 2008 erhalten. Auf diese Weise kam dasVolkskundemuseum vor einigen Monaten zu einem interessanten StückWiener Wohn- und Alltagskultur. Es handelt sich dabei um einen Kastenin dem ein ganzes Badezimmer verborgen ist. Bis vor kurzem stand er inder Küche einer ca. 80 großen Wohnung in einem um 1920 erbauten,typischen vierstöckigen Vorstadtzinshaus in der äußeren Neustiftgassezwischen Kaiserstraße und Neubaugürtel. Das Möbelstück lässt sich fol-gendermaßen beschreiben:

Der zweitürige Schrank ist 184 cm hoch, 77,5 cm breit und 62,5 cmtief und besteht aus weiß beschichteter, 19 mm starker Pressspanplatte.ABS- Kanten sind in einer Nut eingeleimt. Die hinteren Korpuskantensind durch Blechwinkel geschützt. Die Türen werden durch Klavierbän-der gehalten und sind mit zwei schwarzen Kunststoffgriffen zu öffnen.In den Innenseiten der Türen ist je ein Spiegel eingeklebt und die linkeTür ist zusätzlich mit einem verchromten Handtuchhalter ausgestattet.

Im Kasten verborgen befindet sich eine weiß emaillierte Badewanne,die in einem Korpus eingelassen ist, der aus einer mit 4 mm HDF- Platten

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