Jahrgang 
112 (2009) / N.S. 63
Einzelbild herunterladen
 

Chronik der Volkskunde

Mittelstadt Urbanes Leben jenseits der Metropole.

-

Interdisziplinäre Tagung am Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie der Universität Göttingen, 2.- 3. April 2009

Die kulturwissenschaftliche und interdisziplinäre Stadtforschung hatsich bislang zumeist auf die Großstadt konzentriert. Eine Tagung amGöttinger Institut für Kulturanthropologie/ Europäische Ethnologie hatnun unlängst den Versuch unternommen, auch die Mittelstadt als The-ma der Stadtforschung zu erschließen. In sechzehn Vorträgen aus ver-schiedenen Disziplinen von der Volkskunde/ Europäischen Ethnolo-gie, Geschichtswissenschaft und Soziologie über die Kommunikations-wissenschaft, die Raum- und Regionalplanung bis hin zur empirischenWirtschaftsforschung- wurde dieses Thema in den Blick genommen,um Aspekte und Dimensionen eines» typisch mittelstädtischen Lebens<<aufzuzeigen.

-

Eingangs präsentierte Brigitta Schmidt- Lauber( Göttingen) als Orga-nisatorin und Veranstalterin der Tagung erste grundsätzliche Überlegun-gen zum» kulturwissenschaftlichen Forschungsdesiderat«< Mittelstadt.In Abgrenzung zur vorherrschenden quantitativen Bestimmung dieserStädtekategorie entwarf sie eine alltagskulturwissenschaftlich ausgerich-tete Forschungsperspektive, die auch qualitative Aspekte mittelstädti-scher Soziokultur sichtbar macht. Die Vorträge und Diskussionen derTagung drehten sich denn auch über weite Strecken um dieses Problem:Inwiefern lässt sich die Mittelstadt von der Gemeindestatistik ganztrocken definiert als eine Stadt der Größenordnung zwischen 20.000und 100.000 EinwohnerInnen- überhaupt als ein eigenständiges sozia-les und kulturelles Phänomen fassen? Der für die Großstadt bereits seitlangem formulierte Anspruch, die Stadt nicht nur als Lokus, sondernauch als Fokus kulturwissenschaftlicher Forschung zu begreifen, wurdedamit auch auf die Mittelstadt übertragen: Was macht» die«< Mittelstadtaus? Welche spezifischen Formen von Urbanität und sozialen Beziehun-gen finden sich dort? Welche Akteurskonstellationen sind für Städtemittlerer Größe typisch? Und wo liegen hier die Grenzen der Verall-gemeinerbarkeit?

Explizit mit einer städtetypologischen Fragestellung befasste sichMarita Metz- Becker( Marburg) zu Beginn der Tagung in ihrem Bei-trag über das» kulturelle Gedächtnis deutscher Universitätsstädte<<. Vonmittelstädtischen Identitätspolitiken handelten 1- aus raumplanerischer

87