Jahrgang 
112 (2009) / N.S. 63
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Chronik der Volkskunde

Mobilität und Mobilisierung. Arbeit im soziokulturellen,

ökonomischen und politischen Wandel.

Tagung der Kommission Arbeitskulturen in der Deutschen Gesellschaftfür Volkskunde, Institut für Volkskunde/ Europäische Ethnologie,Ludwig- Maximilians- Universität München, 26.- 28. März 2009

Die Kommission Arbeitskulturen in der Deutschen Gesellschaft fürVolkskunde( dgv) wurde 1979 als Kommission Arbeiterkultur gegründet.Ende März fand ihre diesjährige und 14. Arbeitstagung unter dem The-ma>> Mobilität und Mobilisierung« in München statt. Das Tagungsthe-ma entwickelte Fragestellungen weiter, die schon in den Themen derletzten beiden Tagungen anklangen:» Arbeitsleben und biographische( Um-) Brüche«( Passau, 2005) und» Arbeit und Nicht- Arbeit: Entgren-zungen und Begrenzungen von Lebensbereichen und Praxen«<( Ham-burg, 2007). Spätestens hier hatte sich auf der Grundlage ethnografischerStudien ein weiter Arbeitsbegriff durchgesetzt, der auch die vielschich-tigen Arbeitsformen neben der regulären Erwerbsarbeit berücksichtigt.Der CfP steckte mit Begriffen wie Postfordismus, Flexibilisierung undPrekarisierung den theoretischen Rahmen ab, innerhalb dessen die aktu-ellen Mobilitäts- und Mobilisierungsprozesse untersucht werden sollten.Auf den Aufruf reagierten, wie das sehr dichte Tagungsprogramm zeigt,erfreulicherweise auch viele KollegInnen aus den NachbardisziplinenSoziologie oder Geschichte. Die nachhaltige Attraktivität für das eigeneFach und benachbarte Fächer ist ein Hinweis auf die in den letzten Jah-ren wieder gestiegene Relevanz des Themas und eine erfolgreiche( Neu-)Ausrichtung der Kommissionsarbeit.

Im feierlichen( und sehr gut gefüllten) Senatssaal eröffnete Prof. Dr.Jens- Uwe Hartmann, Prodekan der Fakultät für Kulturwissenschaftender Ludwig- Maximilians- Universität München( LMU) die Tagung. Inihrer Einführung merkten die Tagungsorganisatorinnen Prof. Dr. IreneGötz und Barbara Lemberger M.A. an, dass das Themenfeld Mobilitätgegenwärtig ein machtvolles Narrativ sei, das als eine der Konsequenzenaus dem soziokulturellen, ökonomischen und politischen Wandel beson-ders erforscht werde. Bei der Untersuchung räumlicher und sozialer Mo-bilitäten( weltweite Wander- und Rückwanderbewegungen, sozialstruk-turelle Veränderungen) dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass auchImmobilitäten ein wichtiges Phänomen des Alltags seien. So leben zumBeispiel über die Hälfte aller Menschen in Deutschland nach wie vor in

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