Jahrgang 
112 (2009) / N.S. 63
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OZV LXIII/ 112, 2009, Heft 2

Das Volkskundemuseum als» Sprachlernort<<

Angesichts der demografischen Entwicklung ist es an der Zeit, dass sichMuseen auch mehr für Menschen mit Migrationshintergrund öffnenund attraktive Programme anbieten, die sie gezielt ansprechen. Dabeiist es unumgänglich, sie bereits im Vorfeld bei der Entwicklung einzu-beziehen. Ohne Partizipation zumindest einiger RepräsentantInnen derZielgruppe geht so ein Unterfangen unweigerlich an der Intention einessolchen Projekts vorbei.

>> Menschen mit Migrationshintergrund«< sind jedenfalls eine beacht-lich inhomogene Gruppe. Bei einer in Nordrhein- Westfalen durchge-führten Datenforschungsstudie über die Lebenswelten der MigrantInnenkristallisierten sich insgesamt acht unterschiedliche Milieus heraus( alleinin Bezug auf Wertvorstellungen, Lebensstile und ästhetische Vorliebenund nicht auf beispielsweise ethnische Herkunft und soziale Lage). DerAnsatz dabei war, dass bei partizipatorischen Projekten zunächst fun-dierte Informationen über die Interessen und Bedürfnisse der Zielgruppebenötigt werden, um im nächsten Schritt mit ihr in Dialog treten zu kön-nen. Es ist daher klar, dass zunächst nur kleine Teilgruppen direkt an-gesprochen werden können. Bei denjenigen, die Deutschkurse besuchen,bietet sich förmlich der erste Schritt an. Sie können über die Lehrkräfteerreicht werden und durch ein gezieltes Vermittlungsangebot auch alszukünftige BesucherInnen oder AkteurInnen( zum Beispiel Worksho-pleiterInnen, InterviewpartnerInnen etc.) gewonnen werden. Aufgrundder aktuellen gesetzlichen Lage in Österreich( Integrationsvereinbarung,verschärfte Einbürgerungsauflagen, die an den Spracherwerb geknüpftsind, etc.) boomen die Deutschkurse zurzeit so wie nie.

Die Vermittlungsabteilung des Österreichischen Museums fürVolkskunde hat die derzeitige Situation zum Anlass genommen, sich fürdie stets wachsenden Zielgruppen( einerseits die Deutschlerninstitute alsauch die Deutschlernenden selbst) im Wiener Raum zu öffnen und ihnenetwas Spezielles zu bieten.» Mehr MigrantInnen ins Museum bringen!<<lautete auch eine Aufforderung einer Besucherin vom Juni 2007 auf der

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Tina Jerman( Hg.): Kunst verbindet Menschen. Interkulturelle Konzepte für eineGesellschaft im Wandel. Bielefeld 2007.