Jahrgang 
112 (2009) / N.S. 63
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Literatur der Volkskunde

Lucida Luidold, Ulrike Kammerhofer- Aggermann( Hg.):

Bräuche im Salzburger Land.

Zeitgeist Lebenskonzepte- Rituale- Trends- Alternativen.

(= Salzburger Beiträge zur Volkskunde 13-16). Erweiterte GesamtausgabeSalzburg 2002-2005. 3 CD- ROM mit Begleitheft( 56 Seiten).

>> Dafür sind wir nicht zuständig«<, bekommen Medienleute in Deutsch-land von universitären Europäischen Ethnologen zu hören, wenn sie,wie üblich, zwei oder drei Tage vor Weihnachten oder Ostern nach derBedeutung des jeweiligen Festes fragen. Damit begeben sich die Wis-senschaftler der Chance, zur nüchternen und sachlichen Informationüber die jeweiligen sozialkulturellen Konstrukte von Festen und Feiernbeizutragen. Diese Praxen haben eine größere Beharrungskraft als er-wartet, ja sie entwickelten neues Leben, auch wenn sie mit ihren Sozi-altechniken der partiellen symbolischen und praktischen Integration beigleichzeitiger sozialer Separation vielfach aus Zeiten der Ständegesell-schaft stammen. Von einem die lokale Herrschaft stabilisierenden>> Hei-mat- Gemeinschaft- Tradition- Syndrom«< hat Roland Narr bezüglich derBrauchpflege gesprochen( Roland Narr: Kinderfest. Eine pädagogischeund gemeindesoziologische Studie. Darmstadt 1974). Aber damit ist heu-te längst nicht alles über die soziale Bedeutung von Bräuchen gesagt.

Verspätet, aber nicht weniger eindringlich soll ein wichtiges und zeit-gemäßes Projekt der österreichischen Europäischen Ethnologie hervorge-hoben werden: Die vom Referat Salzburger Volkskultur und dem Salz-burger Landesinstitut für Volkskunde herausgegebene dreiteilige CD-ROM- Reihe»> Bräuche im Salzburger Land« versucht den Spagat zwischen» Traditionspflege«(» Brauchtumspflege Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumspflege«) und kritischer Wissenschaft.

Ein solcher Sprung von der konservativen Heimatpflege( wie sienicht zuletzt im» Heimatwerk« des österreichischen» Ständestaates<< bzw.der NS- Zeit geübt wurde) hin zur aktuellen sozialen Nutzung von Bräu-chen ist nicht leicht. Dies gilt insbesondere, wenn Menschen bereits inder dritten und vierten Generation mit» Brauchtumspflege Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumspflege<< sozialisiertsind. Ich darf dazu aus einem Brief der Co- Herausgeberin U. Kammer-hofer- Aggermann an den Autor( 19.6.2008) zitieren:» Es geht tatsächlichum die Ermöglichung und Förderung neuer, gegenwartsrelevanter Sozi-altechniken und nicht um die Zementierung und Gutheißung bestehen-der Homogenisierungszwänge. Das ist für mich die Klippe, die schwer,manchmal glaube ich sogar überhaupt nicht, zu umrunden ist«<.

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