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OZV LXIII/ 112, 2009, Heft 2
Inge Podbrecky, Rainald Franz( Hg.): Leben mit Loos.Wien u.a.: Böhlau 2008, 294 Seiten, zahlr. s/ w Abb.
In insgesamt vierzehn Beiträgen untersuchen in diesem SammelbandVertreterinnen und Vertreter der Kunstgeschichte, Architektur, Ger-manistik, Literaturwissenschaft, Soziologie und Musikwissenschaft Le-ben und Werk von Adolf Loos vor dem Hintergrund der seinerzeitigenWiener Kunst-, Lebens- und Gesellschaftsformen. Aus der Perspektiveihrer jeweiligen( Haupt-) Disziplin und also fächerübergreifend orientie-ren sich die Autorinnen und Autoren dabei stets an den Kontexten desLoos'schen Œuvres, wie sie sich in seinen veröffentlichten und unveröf-fentlichten schriftlichen Quellen auffalten- denn, so die beiden Heraus-geber in ihrer den inhaltlichen Rahmen skizzierenden Einleitung:» DerKontext ist das beste Korrektiv des allzu eifrigen Exegeten«( S. 9). Wobeiallerdings um das gleich eingangs zu vermerken auch in diesemBand kein Beitrag der» Editionspolitik« der Schriften von Adolf Loos ge-nauer auf den Grund geht. Diese liegen ja nur in verschiedenen, oftmalsauch voneinander abweichenden Ausgaben vor, und es gibt, wie auch vonden Herausgebern bedauernd festgestellt wird, bis heute keine kritischeText- Edition.
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In einem ersten Beitrag stellt der Wiener Architekt Hermann Czech,der 1978 bereits über Loos publiziert hat, kritisch die Frage nach den Wi-dersprüchen zwischen Text und Bauwerk. Und so erfährt man, dass diedurchaus vorhandenen – neuen, von Loos geschaffenen- Ornamente inund an seinen Gebäuden weniger im Sinne des Funktionalismus dennals>> Urbanismus« zu verstehen sind( S. 19). Waren doch selbst für dieFassade des Hauses am Michaelerplatz, wie eine zeichnerische Interven-tion( vermutlich von Loos selbst) auf einem Photo verdeutlicht, Blumen-schmuck, Blumentröge oder Skulpturen zumindest angedacht( Abb. 5,S. 23). Dieser angesichts der populären Loos- Rezeption( man denke nuran den häufig zitierten Aufsatztitel» Ornament als Verbrechen<<) fastskurril anmutenden Aufdeckung des Widersprüchlichen folgen Reflexi-onen auf Loos' Anleitungen zum angemessenen Kleidungsstil, die, wieManfred Russo zeigt, auf Gottfried Semper verweisen und» dem ver-bunden[ sind], was Benjamin im Passagenwerk[...] als das traumartigeEinspinnen des Bürgers in das Etui oder die Hohlform bezeichnete<<( S. 27). Die Überlegungen Loos' folgen der Dialektik von Massenpro-duktion und Handwerk und vertreten einen» Aristotelismus gemäßigter