Jahrgang 
112 (2009) / N.S. 63
Einzelbild herunterladen
 

120

OZV LXIII/ 112, 2009, Heft 2

Manuela Barth:>> Messestadt Riem- Wo München abhebt<<.Diskursanalyse von Vorstellungsbildern eines neuen Stadtteils(= Münchner ethnographische Schriften. Kulturwissenschaftlich-ethnologische Untersuchungen zu Alltagsgeschichte, Alltagskulturund Alltagswelt in Europa, Bd 1). München: Verlag Utz 2008, 127 Seiten.

München- Riem war lange Zeit bekannt als Flughafen der Stadt Mün-chen. Als dieser Anfang der 90er Jahre andernorts in Betrieb genommenwurde, eröffnete sich die Möglichkeit, ein großflächiges Areal neu zu be-bauen, und im Zuge der Planung von Messe- Hallen im ehemaligen Flug-hafengelände entwickelte sich ein neuer Stadtteil. Er sollte auch in sei-ner Konzeption zukunftsweisend sein, denn in die Planung sollten auchseine zukünftigen BewohnerInnen einbezogen werden, was durch eineneigenen Planungsstab und eine Stadtteilzeitung als Bürgerbeteiligungs-medium gewährleistet werden sollte. Manuela Barth hat in ihrer hier inleicht überarbeiteter Fassung vorliegenden, 2005 an der Ludwig- Maxi-milians- Universität eingereichten Magisterarbeit die Aushandlungs- undVermittlungsprozesse untersucht und entlang der ihr signifikant erschei-nenden Diskurse über diesen neuen Stadtteil Messestadt Riem nachge-zeichnet.

Im Zentrum der Studie steht die Beschreibung, Kategorisierung undKontextualisierung der Diskussionen, die während des Untersuchungs-zeitraums 2000 bis 2005 in der von der Stadt München initiierten undim Weiteren durch ein Bürgerforum getragene Stadtteilzeitung geführtwurden. Um die verschiedenen und stets sich wandelnden Entstehungs-,Aneigungs-, Aushandlungs-, Vermittlungs- und Verfestigungsprozessegreifbar zu machen, richtet Barth ihren Fokus auf die Vorstellungsbilderder verschiedenen AkteurInnen des Stadtteils und analysiert diese anhandeinzelner Themenfelder bzw. Rubriken der Stadtteilzeitung und im Hin-blick auf einige Gewährspersonen und deren Aktivitäten. Bei den ver-schiedenen Aushandlungsprozessen geht es um Themen, wie sie immerwieder im städtischen Raum diskutiert werden, seien es( Frei) Räumefür Jugendliche oder das Problem der Verschmutzung durch Hundekot.Das interessante an diesen Diskursen im Zuge einer Neubebauung ist,dass sie sich gewissermaßen en miniature und im Zeitraffer nachvollzie-hen lassen, und so kann Barth detailliert herausarbeiten, welche Akteure( BewohnerInnen, Stadtverwaltung etc.) wie und warum agieren. So liestsich die Arbeit als aufschlussreiche Begleitstudie zu jener Stadtteilzeitung