Chronik der Volkskunde
Heimat- Stil. Zur Ästhetik des Verlusts
Tagung des Johannes- Künzig- Instituts in Freiburg vom 8.- 10. Juli 2009
Die diesjährige, im Vortragssaal des» Hauses der Bauwirtschaft« stattge-fundene Tagung des Johannes- Künzig- Instituts hat es sich zur Aufgabegemacht, Fragen zu den Bilderwelten der Heimatvertriebenen nach demZweiten Weltkrieg, zur Ikonisierung von Erinnerung und ihrer Kanoni-sierung nachzugehen- eine Thematik, die nicht nur an der Schnittstelleverschiedener Disziplinen, sondern ebenso an der Schnittstelle von wis-senschaftlicher und staatlicher Beschäftigung und damit im Brennpunktunterschiedlich motivierter Diskurse steht. Die Organisatorin der Ta-gung Elisabeth Fendl hat VolkskundlerInnen/ Europäische EthnologIn-nen, HistorikerInnen, MusikologInnen, aber auch MitarbeiterInnen desBundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichenEuropa( BKGE) zu insgesamt zehn fächerübergreifenden Vorträgen zudiesem Themenfeld eingeladen, in denen auf hohem und reflektiertemNiveau Aspekte der kollektiven wie der individuell- privaten Erinnerungan die verlorene Heimat erörtert wurden. Gerade die staatliche Förde-rung der starken Interessensgruppe der Heimatvertriebenen die sichselbst oftmals als generationenübergreifende Leidgemeinschaft verstehtund präsentiert stellt die universitäre interdisziplinäre Forschung zuHeimat und Heimatverlust vor die Aufgabe, Kontinuitäten und Strategi-en der mit symbolisch und emotional aufgeladenen Bildern operierendenGeschichtserzählung aufzuzeigen und zu befragen. Und so galt es aufdieser Tagung nachzuzeichnen, wie sich das bildhafte Gedächtnis einer>> Schicksalsgemeinschaft«< entwickelt hat und letztlich zum Bilderkanoneiner ganzen Generation geworden ist, der bis heute Geltung beanspruchtund mit seinen vielfachen Konnotationen abrufbar ist.
Die Tagung eröffnete verschiedene Blickrichtungen auf das Thema.Der Bogen spannte sich von der( ideologischen) Vorgeschichte in der spä-ter zwangsweise verlassenen Heimat über die Selbsthistorisierung undPräsentation der Heimatvertriebenen und Heimatbewegten in Museenund Publikationen zu der Bilderwelt von Flucht und Vertreibung selbst.Überaus bereichernd war dabei auch der Blick auf die» anderen<< Seitender Thematik und des Heimatvertriebenendiskurses. Dabei geholfen ha-ben womöglich auch die Beiträge der jüngeren WissenschafterInnen, dieweder aus der Erlebnisgeneration noch einer plakativ kritischen Rich-tung stammen und somit jenseits einer persönlichen Betroffenheit ana-
377