394 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Werner Faulstich( Hg.): Das Alltagsmedium Blatt.München: Wilhelm Fink Verlag 2008, 216 Seiten.
LXIII/ 112, 2009, Heft 3
Es ist ein wunderbarer Fundus, den der vorliegende Band eröffnet- nichtnur an Fragen und Themen, die eine Alltagsforschung mit ethnographi-schen Mitteln stellen kann und stellen soll, sondern auch an Verweisenzu Vorarbeiten und Forschungen über das Alltagsmedium Blatt und des-sen vielfältige Facettierungen, wie sie aus unserem Fach, der Volkskundeund Europäischen Ethnologie, kommen. Paradoxer- und doch wiederfast logischerweise wurde der Band vom Medien- und Kommunikati-onswissenschaftler Werner Faulstich konzipiert und herausgegeben undwurden die siebzehn Beiträge des Bandes von Medienwissenschaftlerin-nen und-wissenschaftlern am IFAM- Institut für Angewandte Medi-enforschung der Universität Lüneburg- verfasst.
In einer Einführung in Themen- und Forschungsfeld entwickeltWerner Faulstich eine Definition des Alltagsmediums Blatt, die wiede-rum Basis der Ansätze und Ergebnisse der im Band versammelten Bei-träge ist: Er versteht das Blatt als» genuines Kommunikationsmedium«<,das historisch sehr früh durch individuelle Verfügbarkeit gekennzeich-net ist, durch Pluralität in Formen und Funktionen, durch strukturelleDivergenz, durch Alltäglichkeit und Kleinräumigkeit in der Verbreitungund durch gesellschaftliche Ubiquität( vgl. S. 23 und S. 209). Der Schwer-punkt dieses einleitenden Textes liegt auf Forschungsberichten, in denenFaulstich nach den jeweils grundlegenden Funktionen die vielfältigenBlatt- Formen gruppiert sowie Ansätze und Befunde dazu vorstellt: zuBlättern wie Bedienungs- und Gebrauchsanleitungen, Beipackzetteln,die der Information dienen, zu Garantiescheinen, Quittungen, Formu-laren, bei denen die Belegfunktion im Vordergrund steht, zu Spielkar-ten und Losen mit Spiel- und Unterhaltungsfunktion, zu Geldscheinenund Briefmarken mit Bezahlfunktion, zu Kochrezepten und Noten mitSpeicherfunktion und schließlich zu politischen Flugblättern und ökono-mischen Prospekten mit Werbefunktion. In dieser kultur- und sozialwis-senschaftlichen Tour d'Horizon zeigt sich, dass in unserem Fach einiges,wenn nicht Wesentliches Faulstich verweist ausdrücklich auf ChristaPieskes grundlegende Arbeiten- geleistet worden ist; wiewohl sich dieForschungssituation insgesamt dennoch als defizitär darstellt.
Insofern sind die Beiträge des vorliegenden Bandes, dies betont Faul-stich in seiner Einführung, als Dokumente» der Erprobung von Zugriffen