Jahrgang 
112 (2009) / N.S. 63
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518 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIII/ 112, 2009, Heft 4

größeren sozialen Diversifizierung führte. Die Kopfjagd gilt freilich nachwie vor als Topos für die Minahasa.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass alle Vorträge, auch jeneder anderen Sektionen, im Tagungsband(= Berichte über den 25. Öster-reichischen Historikertag in St. Pölten), der hoffentlich bald erscheinenwird, nachzulesen sein werden.

Franz Grieshofer

Utz Jeggle t

Empirie. Feldforschung. Judendörfer. Kiebingen. Psychoanalyse.

Fünf alphabetisch gereihte keywords sind heute der Rahmen für die Selbst-Verschlagwortung wissenschaftlicher Artikel. Utz Jeggle bediente solcheSysteme eher lakonisch, mit einer Mischung aus Geduld und Subversi-on man schaue sich nur den Eintrag» Gewürzluiken« im Sachregisterdes Feldforschungsbandes an, das steht dort zwischen» Geschlechtszu-gehörigkeit<< und» Ginzburg, Carlo«<. Für mich persönlich markieren diefünf keywords Themen und wissenschaftliche Haltungen, die ich mit UtzJeggle als Lehrer verbinde. Darüber hinaus aber sind das auch Felder,in denen er mit der Kulturwissenschaft EKW für Innovationen gesorgthat, die interdisziplinär leider bis heute zu wenig bekannt sind. Die Ver-antwortlichen am Tübinger Institut arbeiten merkwürdigerweise nachbesten Kräften an diesem Vergessen- einige Zeit lang durfte er auf derdortigen Homepage noch mit dem Vermerk auf seinen Tod und einigeNachrufe gestorben sein, die Seite zu seiner Person mit der Liste derPublikationen wurde nun aber nicht einmal drei Monate nach seinemTod entfernt, als ob er nie dabei gewesen wäre. Dass sogar das Internetfür Erinnerung und Würdigung zu klein scheint zeigt, wie schwierig derUmgang mit einem solchen Verlust ist. Allerdings hätte Utz Jeggle alsForscher des Erinnerns und Vergessens die Tatsache, dass es im Interneteinen unkontrollierbaren Ort namens im cache gibt, an dem er nun zufinden ist, sicher gefallen.

Empirie. Utz Jeggle war ein kulturwissenschaftlicher Empiriker.Ich meine damit» Empiriker« der Art die, wie Michel Foucault in sei-ner Studie zur>> Geburt der Klinik« aufgewiesen hat, gemeinsam mit den>> Scharlatanen<< von der modernen Wissenschaft zurückgelassen wurden: