Jahrgang 
112 (2009) / N.S. 63
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Literatur der Volkskunde

untergewirtschaftete Sandhof und zum anderen der Umgang der öster-reichischen Herrschaft beschrieben, die zwar die Familie Hofer in dieTiroler Adelsmatrikel aufnimmt und teilweise finanziell unterstützt, sichungeachtet dessen aber mit diesem eigenwilligen Volkshelden denkbarschwer tut.

an

Die neue Andreas Hofer- Biographie bietet viele verdienstvolle Fa-cetten, sie widmet sich detail- und faktenreich einem Helden, der hierals Mensch dargestellt werden soll. Allerdings hat Oberhofer selbst nichtganz Unrecht, wenn er schreibt»> dass die Figur Hofers, entkleidet vonmythologischen und legendenhaften Schnörkeln<( Laurence Cole), eindünnes Gerippe bleibt«( S. 399 f). Die lückenhafte Quellenlage zu einemGroßteil von Andreas Hofers Leben und der dennoch wirksame» Zwangzur Bildung von Kohärenz«<( S. 33) in biographischen Erzählungen führenzu einer zuweilen unübersichtlichen Darstellung. Ein Überangebotwenig eingeführten Namen und Orten lassen leicht den Überblick verlie-ren, wobei schwer zu bewerten ist, wie sich das weitgehende Fehlen deransonsten üblichen Personen, die mit Andreas Hofer und den Kämpfenvon 1809 in Verbindung gebracht werden( etwa Pater Haspinger oderJosef Speckbacher), auf die Nachvollziehbarkeit der Erzählung auswirkt.Alles in allem aber besticht dieses Buch in seiner Detailfülle und in derZurechtrückung so mancher Narrative auch wenn man im Endeffektetwas ratlos in Bezug auf den» Menschen<< Andreas Hofer zurückbleibt.Magdalena Puchberger

Şerban Vǎetişi: Noile teorii etnografice şi conceptul de descriere aculturii[ Die neuen ethnographischen Theorien und das Konzept derKulturbeschreibung](= Identităţi culturale 13).

Cluj- Napoca: Editura Fundaţiei pentru Studii Europene, 2008, 405 Seiten.

Nach 1989 wurden an rumänischen Universitäten die sozial- und kul-turwissenschaftlichen Disziplinen wieder als eigene Studienfächer etab-liert. Die rumänische Wissenschaftslandschaft konfrontierte das mit derFrage, inwiefern die traditionellen ethnologischen Disziplinen mit ihrenMethoden und Konzepten, die sich unter starken ideologischen Zwän-gen entwickelt hatten, geeignet sind, die neue, postkommunistische Rea-lität angemessen zu erfassen. Vor allem an anglo- amerikanischen Vorbil-

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