Literatur der Volkskunde
Hilde Stockinger( Hg.): Jung- Sein in Linz.
Geschichten aus den 50ern.
Wien, Köln, Weimar: Böhlau Verlag, 2008, 185 Seiten, 48 Abb.
Das hier anzuzeigende Buch ist 2008 erschienen, wohl nicht ganz unab-hängig von der für den Absatz förderlichen Tatsache, dass im Folgejahrdie oberösterreichische Landeshauptstadt Linz als Linz 09 europäischeKulturhauptstadt sein würde. Es vereint Erinnerungen,» Geschichten<<,großteils von( zum Teil zugewanderten) Linzerinnen und Linzern, diehier in den 1950er Jahren» jung« waren, also noch in die Schule gingenoder erste berufliche Erfahrungen sammelten, den Wiederaufbau undsomit den wirtschaftlichen Aufschwung miterlebten, Zeitzeugen einesAufbruchs in neue Zeiten waren...
Zeitzeugen sind, der Historiker Roman Sandgruber betont das in sei-nem kurzen Vorwort, wertvolle Informanten der Geschichte, in diesemFalle vor allem der Alltags- und Regionalgeschichte des Linzer Raumes.Linzbezogen sind die Fakten, wie Ereignisse, Namen, Straßen etc., dieanklingenden Probleme aber- Nachkriegszeit, Innovationen( nicht nurim Haushalt), Schul- und Freizeit, fehlende elterliche Aufklärung underste Liebe( n) teilten die Autorinnen und Autoren mit anderen jungenund speziell urbanen Menschen. So betrachtet ist der Band nicht nur vonregionalem Interesse; es geht, nochmals Sandgruber, ganz allgemein» da-rum, sich immer wieder zu erinnern.<<
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Dennoch: Die Sammlung wird vor allem jene ansprechen, die in Linzdieses» lange Jahrzehnt«<, die» wilden Fünfziger«( die so»> wild<<gar nichtwaren; zumindest in Linzer jungbürgerlichen Kreisen wurde auf Partysder Gruppensex[ vgl. S. 15] damals nicht erfunden) aktiv erlebt, die heut-zutage allesamt den» Sechziger«< bereits vor einigen Jahren überschrittenhaben und deren Erinnerungen zunehmend zum» Erzählgut« gewordensind. Wenn mich Sebastian, mein sechsjähriger Enkel, bittet, ihm eineGeschichte aus meiner Kindheit und Jugend zu erzählen( was er häufigmacht), so sind es immer auch Geschichten aus Linz, wohin meine Mut-ter mit mir 1948 zog und das ich 1960 wieder verließ, um aus doch etwasbeengter Linzer Sicht»> in die weite Welt«< zu ziehen, in meinem Fall zumStudium nach Wien.
Viele der» Erinnerungen«<, welche die Herausgeberin Heide Sto-ckinger, Autorin und ORF- Mitarbeiterin, angeregt, gesammelt und miteinem lesenswerten einleitenden( und gleichzeitig zusammenfassenden)
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