Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde124 (2021) / N.S. 75Schönberger, Klaus: Mythos Hans Steinacher als Antagonismus

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Mythos Hans Steinacher als Antagonismus : Gedenkpraktiken in Kärnten/Koroška
Seite
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Klaus Schönberger

Mythos Hans Steinacherals Antagonismus.Gedenkpraktiken inKärnten/ Koroška

Der Beitrag untersucht die Rolle des Mythos in Bezug auf die historischeFigur Hans Steinacher( 1892-1971) im Kontext der Erinnerungspolitikin Kärnten/ Koroška. In einem ersten Teil wird die Mythenbildung derSteinacher- Hagiografie, die ihn als verdienstvollen Volkstumskämpferfeiert, rekonstruiert. Im zweiten Teil werden die antagonistischen Gedenk-praktiken sowie die zentralen Diskurse der deutsch- kärntner Erinnerungs-politik untersucht und gezeigt, wie diese mittels des Konzepts ContentiousCultural Heritages analysiert werden können. Anhand der FigurHans Steinacher soll beispielhaft diskutiert werden, in welcher Weise dasDispositiv Kärnten/ Koroška funktioniert. Im Schlussteil wird gefragt,warum Steinacher bis heute eine herausgehobene und geradezu strategischeFunktion in der deutsch- kärntner Erzählung zukommt.

Der Konflikt um die Kärntner SlowenInnen, ihren Status und ihreRechte, um zweisprachige Ortstafeln' und um zweisprachigen Schul-unterricht² ist hundert Jahre nach der Volksabstimmung von 1920 inKärnten/ Koroška noch nicht zu Ende, wenngleich sich viele Fron-ten langsam aufzulösen beginnen. In der zweiten Republik wurdendieser Konflikt und das Festhalten an völkischen Überzeugungeninsbesondere in Wien, aber ebenso in den anderen österreichischenBundesländern mit einer Mischung aus Staunen und exotisierendem

1 Vgl. Hellwig Valentin: Am Rande des Bürgerkriegs. Der Kärntner Ortsta-felkonflikt 1972 und der Sturz Hans Simas. Klagenfurt/ Celovec u. a. 2013.

2

Vgl. Robert Knight: Politik der Assimilation. Österreich und KärntnerSlowenen nach der NS- Herrschaft. Wien, Hamburg 2020.