,, Wir wollen ein offenesForschungsmuseum sein❝
Michael Weese, seit 2017 Direktor des Salzburger Freilichtmuseums, imGespräch mit Ute Holfelder, Senior Scientist am Institut für Kulturanalyse,Alpen- Adria- Universität Klagenfurt
Transkription Roland W. Peball
UH: Herr Weese, Sie sind seit zwei Jahren Direktor des Salz-burger Freilichtmuseums. Wie sieht Ihre erste Zwischen-bilanz aus?
MW: Jedes Freilichtmuseum hat grundsätzlich ein tolles Potenzial alsNicht- Vitrinen- Museum. Gleichzeitig aber sind Freilichtmuseennicht selten diejenigen Museen, die oft weniger reflexiv arbeiten.Einfach deswegen, weil sie als Besuchermagnet fungieren und weilsie mit den Besucherströmen- auch unser Museum hat im vergange-nen Jahr über 111.000 Besucher und Besucherinnen begrüßen dürfen― dazu neigen, sich weniger infrage zu stellen. Sie können mit Zahlenaufwarten, mit denen sie normalerweise keine Rechenschaft gegen-über einer Kulturverwaltung oder einer Kulturförderstelle ablegenmüssen, weil sie aus deren Sicht erfolgreich sind. Dieser messbareErfolg versperrt manchmal die Bereitschaft von Freilichtmuseen,sich zu fragen: Was machen wir hier eigentlich? Andere Museen,vor allem kleinere, sind gezwungen, dies viel öfter zu tun, sie müssensich legitimieren und damit auch stärker reflektieren. Gerade auchdiese Ambivalenz hat mich bei meinem Amtsantritt sehr gereizt. Dasgesamte wissenschaftliche Team hier im Salzburger Freilichtmuseumwar von Anfang an sehr wertschätzend und unterstützend, hat mitge-zogen und unterstrichen, dass wir uns wieder stärker infrage stellenmüssen, dass wir einen Blick hinter unsere Arbeit werfen wollen unddass wir auch wieder verstärkt neue Fragen an unsere Sammlungenstellen. Wir wollen uns zu einem offenen Forschungsmuseum entwi-ckeln und dies auch besser kommunizieren.