Klaus Schönberger
Kultur als Untersuchungsgegenstandund als heuristische Kategorieder GesellschaftsanalyseProlegomena zu einer Kulturanalyseder Alpen- Adria- Region¹
Der Beitrag schlägt vor, zwei Modi der Operationalisierung des Kulturbegriffs in der Post-Volkskunde zu verfolgen. Für eine als Gesellschaftsanalyse verstandene Kulturanalysesoll Kultur zum einen als Untersuchungsgegenstand im Sinne von Praktiken, Praxis undArtefakten verstanden werden. Zum anderen soll Kultur als Analysekategorie, im Sinneeines heuristischen Werkzeugs verwendet werden. Ein solchermaßen verstandener Kultur-begriff verweist auf eine spezifische Sichtweise von Gesellschaft, insbesondere den Alltagder Subjekte. Als ein weiterer, hierzu querliegender Modus wird auf die notwendige histori-sche Perspektive von Kulturanalyse verwiesen.
Die Argumentation wird anhand empirischer Beispiele aus der Kulturwissenschaft-lichen Technikforschung( Selfies) und aus dem Themenfeld Contentious Cultural Heritageentwickelt.
Mein Ausgangspunkt ist die mit der Klagenfurter Professur für Kul-turanthropologie verbundene Aufgabe, Theorien und Methoden derKulturanalyse für den BA- und MA- Studiengang Angewandte Kultur-wissenschaft zu entwickeln. Da die Kulturanthropologie in Kärnten nichteinmal in Form der Volkskunde als akademische Disziplin institutionali-siert ist, erlauben Sie mir, grundsätzlich zu werden. Meine Ausführungenzielen weniger auf eine Selbstverortung im Sinne einer abstrakt- theore-tischen Position, als vielmehr auf die Anforderung, die Studierendender Angewandten Kulturwissenschaft an der Alpen- Adria- Universität
1 Dies ist die überarbeitete Version meiner Antrittsvorlesung für die Professur„ Kulturanthropologie" am Institut für Kulturanalyse der Alpen- Adria- UniversitätKlagenfurt vom 3.12.2015. Der Vortragsduktus wurde für die Veröffentlichungweitgehend beibehalten.