Timo Heimerdinger und Manuela Rathmayer
Evangelisch- Sein in Tirol
Ein ethnografisches Lehrforschungs-projekt zum Reformationsjahr 2017an der Universität Innsbruck
Die„ Luthrisch'n" sind in Österreich eine relativ kleine Gruppe, und imWesten der Republik eine ganz besonders kleine: Insgesamt stellen dieEvangelischen in Tirol heute nur rund 1,7% der Bevölkerung, die weitereBinnendifferenzierung je nach reformatorischer Tradition in Lutheraner,Reformierte( Calvin, Zwingli) und Methodisten( Wesley) sei hier einmalsalopp vernachlässigt.'
Dementsprechend wenig bekannt und präsent ist evangelischesLeben in der Öffentlichkeit und im Bewusstsein weiter Bevölkerungs-kreise. Seit dem Jahr 2017, in dem sich die Reformation zum 500. Maljährte und es eine entsprechend intensivierte Berichterstattung gab, magsich das graduell geändert haben, doch grundsätzlich beherrschten allge-mein eher Unkenntnis, Vagheit und allenfalls Stereotype oder auf Ein-zelaspekte verengte Vorstellungen zum Protestantismus als Konfessionund Frömmigkeitsstil das Bild. Neben der vielleicht noch anzutreffen-den Vorstellung, dass Evangelische angeblich irgendwie„ lockerer" seien,
1 Derzeit leben in Österreich rund 300.000 evangelische Christinnen undChristen( ca. 3,4% der Gesamtbevölkerung), die sich wiederum in rund289.000 Personen mit Augsburger Bekenntnis( A. B., Lutherische Kirche)und rund 13.000 Personen mit Helvetischem Bekenntnis( H. B., ReformierteKirche) unterteilen, gelegentlich werden auch noch die ca. 1.200 Mitglieder derEvangelisch- methodistischen Kirche hinzugerechnet. Die relativ größten Quotenwerden in Kärnten( 10%) und im Burgenland( 13%) erreicht, die niedrigstenin Westösterreich. Die evangelischen Kirchen befinden sich insgesamt im konti-nuierlichen Schrumpfen, so betrug der Anteil an der Gesamtbevölkerung um 1970noch gut 6%( zum Vergleich: der Anteil der Muslime beträgt derzeit rund 8%).Vgl. https://evang.at/kirche/zahlen-fakten/; https://evang.at/kirche/wir-ueber-uns/; http://orf.at/stories/2401893/2401894/( Zugriff: 25.5.2018).