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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Bericht zur Tagung der Isa Lohmann- Siems Stiftung,, Bekenntnisse: Formen und Formeln", Warburg- Haus,Hamburg, vom 9.- 10. Februar 2018
LXXII/ 121, 2018, Heft 1
Im Rahmen des laufenden Forschungsprojekts„ Bekenntnisse" lud dieHamburger Isa Lohmann- Siems Stiftung im Februar zum zweitägigeninterdisziplinären Dialog. Dem Ziel, den mannigfaltigen Formen und For-meln des Bekennens von der Spätantike bis zur Gegenwart nachzuspüren,wurde in insgesamt zehn Beiträgen von Vertreterinnen und Vertreternaus Soziologie, Theologie, Geschichtswissenschaft, Psychologie, Poli-tikwissenschaft, Kulturanthropologie und Kunstgeschichte Rechnunggetragen.
Das erste Diskussionspanel„ Kulturen des Bekennens: Formen undFormeln" eröffnete Hubert Knoblauch( Berlin), der in seinem Vortragdie Bedeutsamkeit des spezifisch kommunikativen Charakters vonBekenntnissen sowie den für sie wesentlichen subjektiven Bezug in denMittelpunkt stellte. Als Form des kommunikativen Handelns gehe dasBekenntnis weit über eine sprachlich/ textliche Ebene hinaus und sei-der Theorie der kommunikativen Konstruktion entsprechend- stets insoziale Zusammenhänge eingebunden. Am Beispiel einer im Fernsehenübertragenen Massenevangelisation des US- amerikanischen Erweckungs-predigers Billy Graham verdeutlichte der Soziologe, welch entscheidendeRolle etwa dem spektakulären Charakter der Veranstaltung, dem Ortdes Geschehens oder der sozialen Erfahrung der Bekennenden in diesemKontext zukommt.Überlegungen zur Geschichte, Struktur und Formchristlicher Bekenntnisse bildeten den Schwerpunkt des anschließen-den Vortrages von Christian V. Witt( Mainz). Ausgehend von institu-tionellen sowie privaten Bekenntnisformen und deren Entwicklungim Frühchristentum, skizzierte Witt aus kirchengeschichtlicher Sichtdie Auseinandersetzungen um den rechten Glauben und innerchristlicheDiversitätsprozesse in der frühen Kirche. Während das apostolischeGlaubensbekenntnis von den sich seit der Reformation herausgebilde-ten Konfessionen generell zwar gleichermaßen anerkannt worden sei,gebe es nicht nur interkonfessionelle Unterschiede hinsichtlich seinerAuslegung. Auch innerhalb der lutherischen Kirche habe es im 16. und17. Jahrhundert grundverschiedene Auffassungen und Auslegungen desApostolikums gegeben, welche im Laufe der Jahrhunderte immer wiederfür heftige Debatten sorgten.