Jahrgang 
121 (2018) / N.S. 72
Seite
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Chronik der Volkskunde

den Inhalt von Politik-, verdeutlichten, dass eine ethnography in timesof populism neben dringenden empirischen Einsichten auch theoretischeBeiträge leisten wird, die sowohl die akademische als auch die öffentlicheDebatte voranbringen können.

Patrick Wielowiejski

Thomas Hengartner( 1960-2018)

Am 10. Mai 2018 verstarb Thomas Hengartner, eine herausragende Per-sönlichkeit des Faches, im Alter von 57 Jahren nach erschütternd schwe-rer, geduldig ertragener Krankheit in Stöcken( Norddeutschland). DerDirektor des renommierten Collegium Helveticum und Ordinarius fürVolkskunde am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kultur-wissenschaft der Universität Zürich hinterlässt zahlreiche Spuren nichtnur in der Empirischen Kulturwissenschaft wie er nie verhehlte, das

Fach idealiter zu nominieren.

Thomas Hengartner, aufgewachsen in St. Gallen als jüngstes von vierKindern einer Schweizer Unternehmerfamilie, erfuhr an der UniversitätBern eine im besten Sinn klassische akademische Sozialisation: Am Ins-titut für Germanistik studierte er Dialektologie, Volkskunde und Neu-ere Deutsche Literatur sowie Schweizer Geschichte. Ein Gastaufenthaltführte ihn dabei auch an die Universität Wien. Seine von der UniversitätBern preisgekrönte Dissertation widmete sich dem religiösen Leben imSchweizer Emmental( Gott und die Welt im Emmental, 1989). Anschlie-Bend wandte er sich in seiner Habilitationsschrift der kulturwissenschaft-lichen Stadtforschung zu( Zur Frage der Urbanität aus volkskundlicher Sicht,1996). Als junger, vielversprechender Nachwuchswissenschaftler wurdeer noch während des laufenden Habilitationsverfahrens an die UniversitätHamburg berufen, wo er 14 Jahre lehrte und wirkte( 1996-2010) undschließlich auch die Nachfolge von Albrecht Lehmann, der 2005 emeritiertwurde, antrat. 2002 erhielt er als erster und bislang einziger Volkskundlerden höchsten deutschen Wissenschaftspreis, den Gottfried- Wilhelm- Leib-niz- Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, den er zum Auf- undAusbau eines weiteren Forschungsinteresses, der kulturwissenschaftli-chen Technikforschung, einsetzte. Er gründete hierzu das ForschungskollegKulturwissenschaftliche Technikforschung, um die( kulturwissenschaftliche)

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