Jahrgang 
121 (2018) / N.S. 72
Seite
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Literatur der Volkskunde

Joachim Eibach/ Inken Schmidt- Voges( Hg.):

Das Haus in der Geschichte Europas. Ein Handbuch.Berlin/ Boston: DeGruyter 2015, 783 Seiten.

Der 2008 auf dem 47. Deutschen Historikertag in Dresden gegründeteArbeitskreis Haus im Kontext. Kommunikation und Lebenswelt" hatnach sieben Jahren seines Bestehens ein außerordentlich ansehnliches undrepräsentatives Produkt hervorgebracht: ein Handbuch zum, Haus in derGeschichte Europas". Der fast 800 Seiten umfassende Band besteht aussechs Teilen: Teil I versammelt Überblicksbeiträge zur Hausforschungin den europäischen Geschichtswissenschaften", Teil 11 beleuchtet ver-schiedene Aspekte von, Materialität und Wohnkultur", Teil 111 behandelt,, soziale und ökonomische Konstellationen" rund um das Haus, Teil IV ist,, Interaktion und soziale Umwelt" überschrieben, Teil v untersucht dasThema, Haus und Zugehörigkeit", und Teil vi schließlich ist den Begrif-fen ,, Wissensordnung und Ordnungswissen" gewidmet. Jeder Teil ist miteiner kompetenten Einführung zum Forschungsstand sowie einem Aus-wahlliteraturverzeichnis versehen und somit relativ in sich geschlossengestaltet. Hinzu kommen noch zwei einführende Aufsätze der beidenHerausgeberInnen, die die Bedeutung des Hauses in der Vormoderneund in der Moderne zu skizzieren suchen. Die den sechs Teilen zuge-ordneten 37 Beiträge haben in den meisten Fällen Überblickscharakter,tragen aber auch spezielleren Forschungsinteressen der Autorinnen undAutoren Rechnung. Diese Mischung aus allgemeineren und speziellerenThemen ist insgesamt sehr gelungen; das Handbuch hält auf diese Weiseeine gute Balance zwischen dem Anspruch eines grundlegenden Nach-schlagewerks und dem eines Sammelbandes mit exemplarischen, vertie-fenden Aufsätzen. Ein Sachregister hätte freilich den Gebrauchswert desBandes wesentlich erhöht.

Dass selbst auf rund 800 Seiten kein umfassendes Bild von der Rolledes Hauses in der europäischen Geschichte gezeichnet werden kann, liegtauf der Hand. Begründet ist es im Thema selbst: Das Haus ist eine sogrundlegende Basiskategorie( S. XI) des Alltagslebens, dass auch einsolches stattliches Kompendium Akzente setzen muss. Gerade in seinerBedeutungsspanne von Haus als architektonischer Einheit, Haushalts-einheit und dynastischem Konzept eröffnet der Hausbegriff ein denkbarweites Forschungsfeld. Insofern wäre es nicht angebracht, das thematischeAngebot des Bandes zu kritisieren- jedem, der die aufwändige editori-

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