Literatur der Volkskunde
Hans Peter Hahn( Hg.): Der Eigensinn der Dinge.
Für eine neue Perspektive auf die Welt des Materiellen.Berlin 2015, 201 Seiten.
Der 2015 erschienene Sammelband„ Vom Eigensinn der Dinge. Für eineneue Perspektive auf die Welt des Materiellen" basiert auf einer hochka-rätig besetzten interdisziplinären Ringvorlesung, die im Wintersemester2012/13 an der Goethe- Universität in Frankfurt am Main stattfand. DasKonzept des„ Eigensinns", unter dem die Beiträge zusammengefasst sind,sieht der Herausgeber Hans Peter Hahn als ein„ Hilfsmittel, um auf denReichtum an Wahrnehmungen und auf überraschende Umgangsweisenmit Dingen zu verweisen"( S. 8). Er schlägt damit eine offene Betrach-tungsweise der Dinge vor, die der möglichen Bedeutungsvielfalt und auchunterschiedlichen Graden der Relevanz der Dinge im Alltag gerecht wirdund damit die Perspektive der Publikationen der letzten Jahre ergänzt, indenen vermehrt von der„ Macht", der„ Tücke" oder etwa der„ Erbschaft"der Dinge die Rede war.
In einer umfassenden Einleitung, die mehr als eigenständiges pro-grammatisches Statement denn als Einblick in die Beiträge des Bandeszu sehen ist, führt Hans Peter Hahn zentrale Aspekte dessen aus, waser unter„ Eigensinn“ der Dinge verstanden wissen möchte. Einer die-ser Aspekte sind die über ihre im alltäglichen Gebrauch zutage tretendeFunktion hinausgehenden assoziativen Potenziale der Dinge, die Hahnals„ Überschuss der Wahrnehmungen“ beschreibt( S. 12). Gegenüber vorallem literarischen Ansätzen, in denen diesen assoziativen Verknüpfun-gen der Dinge nachgegangen wird, indem sich die Aufmerksamkeit vonden Dingen hin zu den Gedanken verschiebt, plädiert Hahn jedoch füreinen Zugang, der den Fokus auf die Rolle der Dinge„, im Denken undim Handeln"( S. 13) legt.
Den Blick der Forschungen zu materieller Kultur aus den letzten Jah-ren versucht Hahn zu erweitern durch eine stärkere Offenheit für die Bei-läufigkeit der Dinge im Alltag. Sowohl methodisch als auch theoretischstellt er eine problematische Aufwertung der Dinge in der Forschungfest, die der Rolle der Dinge im Alltag nicht entspreche. Gegenständekönnen in unterschiedlichen Kontexten und zu unterschiedlichen Zei-ten verschiedene Bedeutungen haben, wobei zunächst von einer„ Unbe-stimmtheit zwischen Ort, Gebrauch und Relevanz“( S. 17) auszugehen sei.In der Erforschung materieller Kultur sei„ eine sensible Wahrnehmung
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