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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXXII/ 121, 2018, Heft 1
Laufe der Geschichte dieses Objekts mehrfach miteinander in Verbin-dung stehende Umdeutungen und Umgestaltungen stattfanden.
Während Hans Peter Hahns Einleitung von programmatischerStringenz ist, bieten die folgenden Beiträge des Bandes zwar durchausanregende, in ihrer multidisziplinären Vielfalt aber auch herausforderndeKonkretisierungen des„ Eigensinns". Zuweilen würde man sich außer-dem umfassendere theoretische Schlussfolgerungen und explizitere kon-zeptuelle Bezüge zum„ Eigensinn" wünschen. Zweifelsohne ist dies demEntstehungskontext des Bandes geschuldet, der im Wesentlichen die Ver-schriftlichung einer Ringvorlesung ist, und dessen Einleitung sich mehrals eigenständiges theoretisches Statement denn als Rahmung der Beiträgeliest. Sich zu erschließen, was die einzelnen Beiträge mit dem Eigensinndes Materiellen zu tun haben, bleibt daher in weiten Teilen die- nichtimmer einfache Aufgabe der Leserin. Ungeachtet dessen handelt es sichbei diesem Buch um einen wertvollen Beitrag zu den aktuellen Diskus-sionen, der gerade in der zuweilen vielleicht irritierenden Offenheit undfehlenden Eindeutigkeit der theoretischen Positionierung ein wichtigesStatement für den Zugang zu materieller Kultur ist.
Ana Rogojanu
Sarah Kleinmann: Nationalsozialistische Täterinnen und Täterin Ausstellungen. Eine Analyse in Deutschland und Österreich(= Ludwig Uhland Institut für empirische Kulturwissenschaft- Untersuchungen 120).
Tübingen: Tübinger Vereinigung für Volkskunde 2017, 308 Seiten.
Die Geschichte der nationalsozialistischen Täterinnen und Täter wurdelange Zeit nicht nur in der Forschung, sondern auch in Museen und Aus-stellungen vernachlässigt. Nach vielen Jahren der Verdrängung standenzunächst die Opfer im Mittelpunkt des Interesses, ihre Lebensgeschich-ten wurden erforscht, veröffentlicht und in Datenbanken zur weiterenVerwendung zur Verfügung gestellt. Die Täter und Täterinnen hingegenwurden oftmals pauschal als menschliche„ Bestien" abgeurteilt oder alsBefehlsempfänger entschuldet. Eine intensivere Beschäftigung mit derTätergeschichte begann erst Ende der 1990er Jahre. Sarah Kleinmannleistet mit ihren sieben Ausstellungsanalysen einen weiteren Beitrag dazu.