Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde121 (2018) / N.S. 72Kreissl, Eva; Eisch-Angus, Katharina: Volkskundlich ausstellen?

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Volkskundlich ausstellen? : zur inhaltlichen und methodischen Spezifik des Ausstellung-Machens in Volkskunde/ Empirischer Kulturwissenschaft/Europäischer Ethnologie [Gespräch]
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Volkskundlich ausstellen?

Zur inhaltlichen und methodischenSpezifik des Ausstellung- Machensin Volkskunde/ Empirischer Kultur-wissenschaft/ Europäischer Ethnologie

Eva Kreissl, Kuratorin am Volkskundemuseum in Graz, im Gespräch mitKatharina Eisch- Angus, Professorin am Institut für Kulturanthropologieund Europäische Ethnologie der Universität Graz

KEA: Gerade Volkskundemuseen basieren auf umfangreichen histori-schen Sammlungen. Welche Potenziale oder auch Einschränkungenbieten sie für ein zeitgemäßes Ausstellen?

EK: Im Moment erleben wir eine Zeit des geradezu hektischen Wandelsund der Orientierung auf die Zukunft. Es kommt mir vor, als würde dieGegenwart nur noch als Übergangsphase betrachtet. Je nach Standpunktwird das Kommende als dystopische Phantasie oder technisch beherrsch-barer Paradieszustand gesehen- und dementsprechend die Vergangen-heit als Sehnsuchtsort des Intakten, Überschaubaren oder aber als einPfuhl an Rückständigkeit und Unwissen. Egal, wie man dazu steht, ist beiallem was man tut, ein Innehalten und Nachdenken darüber eine wichtigeÜbung, um das gegenwärtige Geschehen voll wahrzunehmen und vomJetzt aus in die richtige Richtung weiterzugehen. Historische Sammlun-gen bieten eines von vielen Angeboten für so ein Resümee. Dieses Ange-bot ergibt sich nicht aus der Sammlung per se, sondern man muss sie auchzu lesen und zu kontextualisieren wissen. Sonst verkommt sie zu einem Wie schön( beschaulich, übersichtlich etc.) war es früher doch!" oder Diearmen Leute früher, wie rückschrittlich mussten sie doch leben". Wederdas eine noch das andere stimmt. Denn viele wissen heute nur noch sehrwenig über das Koordinatensystem an Bedeutungen, die einzelne Dingeeinst hatten, und die Zusammenhänge, in denen sie zu interpretierensind. Die Welt war ja einst nicht weniger komplex, sondern anders kom-plex. Und noch viel wichtiger: Wie kann ich diese Bedeutungsebenen zur