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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXXII/ 121, 2018, Heft 2
Bericht über die Tagung ,, Museen in Phasen des politischen Umbruchs.
Das östliche Europa im Fokus", 7. bis 9. November 2018,Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im
östlichen Europa( BKGE), Oldenburg
Die Tagung, die vom 7. bis 9. November 2018 in Oldenburg stattfand,wurde vom Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen imöstlichen Europa( BKGE) zusammen mit der Fachkommission für Volks-kunde des Johann Gottfried Herder- Forschungsrats veranstaltet und vonCornelia Eisler und Heinke Kalinke vom Bundesinstitut konzipiert undvorbereitet.
In ihrer Einführung verwies Cornelia Eisler auf das in den letztenJahren vermehrt zu beobachtende Interesse am Thema Museum. Dieseszeige sich nicht nur in der Zahl der thematisch einschlägigen Tagungen,sondern auch in der Resonanz, die der Call for Papers für diese Tagungüber die Grenzen der Disziplinen hinweg bei Wissenschaftlerinnen undWissenschaftlern weckte: In der Europäischen Ethnologie, in der Kultur-und Sozialanthropologie, in der Geschichtswissenschaft sowie in ande-ren Geistes- und Sozialwissenschaften rücken Museen ins Zentrum desInteresses als Thema für wissenschaftsgeschichtliche Untersuchungenund Forschungen über Institutionen, die Wissensbestände beherbergen,schaffen und popularisieren sollen bzw. können. Eisler betonte, dassMuseen nicht nur als Subjekte und Objekte, sondern auch als Akteureund Medien erforscht werden sollten. Ihre unterschiedlichen Rollen ins-besondere in Phasen des politischen Umbruchs in den Blick zu nehmenund die wechselseitige Beeinflussung von Gesellschaft und Museen zuzeigen, sei ein Hauptanliegen. So ging es einerseits um politische Umbrü-che und ihren Einfluss auf Museen, andererseits darum, wie sich Museenan diesen Umbrüchen beteiligen oder wie sie in Museen präsentiert wer-den. Die Tagung bewegte sich so um aktuelle Begriffe wie Geschichts-politik, Erinnerungskultur, kollektives Gedächtnis, gesellschaftlicherDiskurs und Geschichtsbilder.
Die erste Sektion behandelte nationale Identitäten und Umbrüche.Michał F. Woźniak( Toruń) beschäftigte sich mit deutschen und polni-schen Museen vorrangig in Posen und Thorn in der zweiten Hälfte des19. Jahrhunderts. Diese entstanden oft als Ergebnis von Vereinsaktivitä-ten und waren vom Konkurrenzkampf in einer stark von nationalistischenIdeen geprägten Zeit beeinflusst. Mary- Ann Middelkoop( Cambridge)